Dé­jà-vu

Der Blätterwald rauscht: In München fiel eine Tüte Gummibärchen um. Oder was immer Beate Zschäpe während des „Jahrhundertprozesses“ verzehrt. Wenn sie nicht gerade Beschwerdebriefe schreibt.

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Kurze, heftige Aufregung: Der Teufel hat wieder zum Federkiel gegriffen und einen Brief geschrieben. Diesmal nicht an den Leidenskameraden Ronny, sondern an Onkel Götzl, der mit vielen V-Darstellern den NSU juristisch aufarbeiten will. Auch die Stuttgarter Zeitung hat den Brief bekommen. Wie er dahin kam, verraten die Redakteure freilich nicht. Dafür drucken sie ein Faksimile des Postscriptums ab. Es ist ein Hilferuf an den Richter. Die Rechtsterroristin fühlt sich „geradezu erpresst“. Aber von wem? Von ihren „Anwälten“?

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Es muss eine Art Rundschreiben sein, das Zschäpe da verschickt hat. Auch ARD, Spiegel und andere wissen Bescheid. Die beiden Milchbubis, Heer und Stahl, so erfahren wir, bekämen ihr Fett weg, besonders aber gehe NSU-Beate auf Anwältin Sturm los. Das Vertrauensverhältnis sei zerrüttet, es ginge ihr nur ums Geld. Heer surfe während der Arbeit im Internet, Stahl twittere, Sturm mache ihr Druck. In Stellungnahmen keilen die Angegriffenen zurück. Zschäpe spiele sich auf, als sei sie die „Vorsitzende der Verteidigung“. Das Wichtigste: Die Angeklagte wolle eventuell aussagen. Schöner Kommentar dazu vom Bayerischen Rundfunk.

Die Beste kommt von Annette Ramelsberger von der Süddeutschen. Für sie leitet nicht Richter Götzl den Prozess. Wo es lang geht, bestimmt Beate Zschäpe. Unheimlich. Nicht Zschäpe wird erpresst, sie erpresst selbst.

Für mich ist das wirklich ein Schauspiel, das Frau Zschäpe vorführt. Eine Vorführung von Macht, eine Machtdemonstration. Und zwar, es geht nicht nur um ihre Verteidiger, die sie ablehnt, bzw. ihre Verteidigerin, Frau Sturm […] Es geht in Wirklichkeit um eine Machtprobe mit dem Gericht. Sie will zeigen, dass sie bestimmen kann, wie es voran geht, ob es voran geht. Und sie möchte dafür Erleichterungen haben, was sie zum Teil schon bekommen hat und sie möchte jetzt ihre Verteidigerin loswerden.“

Ah ja. Ramelsberger ist optimistisch, dass Zschäpes teuflicher Plan, den Prozess platzen zu lassen, scheitert. Zschäpe habe immerhin drei Anwälte. Selbst mit zweien sei sie immer noch – wörtlich – „sehr gut verteidigt.“

Wenn jemand in München eine Exitstrategie braucht, dann sind es Diemer, Weingarten und Götzl. Auch ein Teilgeständnis von Zschäpe würde vor allem ihnen helfen. Aber ein neuer Prozess? Eher nicht. Die Nebenklage wäre not amused. Vor allem aber: Was soll das Ausland sagen? Das beste Rechtssystem der Welt kapituliert vor dem NSU-Phantom?

Die Aufklärergemeinde fragt nun ängstlich: Gibt es ein neues Stammheim? Wird Zschäpe jetzt umgebracht, weil sie auspacken will? Also „vergeselbstmordet“, wie all die anderen, von Baader, Möllemann bis Corelli und Melisa Marijanovic? Nein, Leute. Nicht wirklich. Den Edathy ließ KDF am Leben. Mehr oder weniger. Und nicht, weil sich der Liebhaber griechischer Vasenmalereien „absicherte“. München hat Bäuerchen gemacht und schläft erst mal friedlich weiter. Hinschauen! Und weitergehen. Es sind Zschäpes Katzen Heidi und Lilly. Sie sind der Fehler in der Matrix.

PPS: Gruß zurück an Mr. Smith.

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