Siedlerheim

          

The true mystery of the world is the visible, not the invisible.“
Oscar Wilde

Früher ging ein Mord in Deutschland so: Mann erschlägt Frau nach 30 Jahren Ehe, fährt zum nächsten Polizeirevier und stellt sich. Oder er brennt das Haus nieder, damit es die Kinder nicht bekommen, bevor er sich erhängt. Oder lässt die Abrechnung weg und steigt gleich zum Dachboden hinauf. Wer so einen Dreizeiler las, wusste: Die Welt ist ein Jammertal, aber manche betrachten die Sterne.

Irgendetwas ist seither passiert. Das Obszöne hat Hieronymus Boschs Bilder verlassen und schafft nun selbst massenhaft Monster, die Monströses tun und teilt ihre Taten per Handy: verwackelte und schemenhafte Schnipsel. Das Wesentliche behält es für sich, falls es das gibt. Das macht es unwirklich, allgegenwärtig, unfassbar.

Um den Horror zu verstehen, reicht kein Dreizeiler mehr, auch kein ARD-Brennpunkt; es bleibt eine hartnäckige Dissonanz. Das Vertraute verschwindet wie Peter Lustigs Löwenzahnidylle. Auf unterster Stufe der Bedürfnispyramide schützen Betonbarrieren von nun an unsere überflüssige Existenz.

Gefahrenzone mit Madonna

Seit Doktor Faust und den Rolling Stones aber kennen wir das Geheimnis aller Dialektik: das Böse schafft das Gute und bildet sich ein, Stil und Geschmack zu besitzen. Es wählt heute fürs routinierte Verbrechen eindrucksvolle Kulissen europäischer Metropolen, kennt Leute vom Fernsehen, sucht telegene Täter, Opfer und Helden aus, dazu passende Zeugen, lässt es professionell knallen und rauchen, illuminiert Sehenswürdigkeiten und erzeugt schöne Gesten der Humanität bei Kerzenschein. Fast wie ein Jesuitentheater, das auf Tournee geht mit eingeschworener Truppe. Fürs Publikum gilt Teilnahmepflicht.

Was uns verwirrt, ist nicht die Natur seines Spiels, sondern ein Mangel an Souveränität, die den Zweifler schnell zum Ketzer erklärt und samt Aluhut in den Tiber wirft. Denn was kann er schon ausrichten gegen die Macht der Bilder, Augenzeugen und Experten?

1797, vier Jahre nachdem Frankreichs König Louis seinen Kopf auf dem Pariser Platz der Revolution verlor, gaben in Rom sechsundneunzig Zeugen unter Eid an, auf einem Madonnenbild habe die Mutter Gottes ihre gemalten Augen so verdreht, „dass man das Weiße darin sehen konnte“. Sechsundneunzig! Wer wollte da widersprechen? Als Maria im Jahre 1917 bei Fatima die Sonne wie wild tanzen ließ und farbige Blitze schleuderte, da bestätigten das bis zu 100.000 Gläubige und Ungläubige.1)

Fast einhundert Jahre nach Fatima benannte die Bundesanwaltschaft für den NSU-Prozess immerhin 606 Zeugen.2) Allein, die Angehörigen der NSU-Orthodoxie dürften nach Millionen zählen.

Villa Dosenfleisch

Wichtigste Uwe-Zeugin vom Hörensagen ist noch immer Beate Zschäpe. Sie hat die Moritaten in einem „Geständnis“ verarbeitet und sich eigener Verbrechen bezichtigt. Ob das bei Richter Götzl, der ihr die Lebensbeichte abnahm, Erbarmen bewirkt, ist fraglich. Auch sonst fiel sie durch: Zschäpes Visionen scheitern aus brandtechnischen Gründen, an Fehlern, an Unglaubwürdigkeit.3)  Was sie erzählt, entlastet sie eher vom Vorwurf, den Brand gelegt zu haben und nährt Zweifel an ihrer Anwesenheit am Tattag.

Eine These, die der AK NSU seit Langem durch mehrere Indizien stützt: das „falsche“ Phantombild, Susann Emingers „Fluchthandy“, ein atypischer Internetverlauf, Zschäpes Angabe einer sechstägigen Flucht oder ihr Abschied von Heike Kuhn bereits am 1. November 2011.4)  Minz und Maunz, die Katzen, warnten also möglicherweise ein anderes Paulinchen.

An dieser Stelle aber rollt die Madonna mit den Augen, denn Zschäpe wurde gesehen. Zum Beispiel von Nachbarin Gisela Fischer:5)

Im nächsten Moment kam auch Rauch aus Richtung Nachbarhaus, also Frühlingstraße 26. Und gleichzeitig sah ich auch aus der Haustür Frühlingstraße 26 eine junge Frau raus rennen, welche ich vom Ansehen her kannte und weiß, dass sie in dem Haus in der betreffenden Wohnung wohnt. Wie sie heißt, kann ich jetzt nicht sagen. Sie wohnt mit ihrem Partner da drin. Auf jeden Fall kam die junge Frau aus dem Haus raus gerannt und im Vorbeirennen bei uns sagte sie noch in meine bzw. meinem Mann Richtung: „Ruft die Feuerwehr!“ Dann rannte sie die Frühlingsstraße stadteinwärts.

Das notierte noch am 4. November die Polizei im Rahmen einer Zeugenvernehmung zu schwerer Brandstiftung um 16.40 Uhr. Unterschrieben hat Nachbarin Fischer zwar nicht, aber Beate Zschäpe im Münchner Prozess erneut identifiziert: „Dass es Zschäpe war, könne sie schon sagen.“ 6) Und wer wird das infrage stellen.

Die Verschwörungstheoretiker Diemer und Weingarten ganz sicher nicht. Das darf, wer beteuert, keine Wahrheiten zu verkünden und Reizwörter vermeidet, denn auch unter Aufklärern geht es rauh zu. Dann ist ein wenig Spekulation erlaubt. Etwa so: Wenn nicht Beate Zschäpe das Siedlerheim abbrannte, wer war es dann? Die Handwerker? Reaktivierte Sprengmeister der NVA ohne Rechtsschutz? Die Feuerwehr?

Riskieren zwei namentlich bekannte Trockenbauer viele Jahre Knast, um – ja, um wem eigentlich einen Gefallen zu tun? Wurden sie eingeschüchtert, erpresst? Dass man Herrn Vu irgendwie unter Druck setzen konnte, als Strohmann das Siedlerheim trotz Leerstands halb zu erwerben,7)  um die Brandruine nach abgeschlossener „Selbstenttarnung“ an die Stadt weiterzureichen, das mag noch vorstellbar sein, aber Portleroi und Kaul?

Klar ist, etwas stimmt nicht mit den beiden, ihre Aussagen bei der Polizei sind grob widersprüchlich; René Kauls Zeitangaben bringen den ganzen Tathergang durcheinander. Schweigen, wegsehen, choreographische Anweisungen befolgen – das wäre ohne weiteres denkbar; aber vorsätzlich eine Explosion herbeizuführen inklusive Mordversuch?

Das braucht Fachkenntnisse, spektakuläre Bilder zu bekommen bei maximaler Wirkung und Kollateralschäden zu vermeiden. Das muss überwacht werden, abgesichert und benötigt einen rechtlichen Rahmen mit der Aussicht, den flexibel anzuwenden. Auf welcher Rechtsgrundlage auch immer in Sachsen und Thüringen gezündelt worden wäre; Menschenleben nicht zu gefährden, hat überall Priorität.

Unter diesem Vorbehalt wäre interessant, wann und wie Oma Erber ihre Wohnung wirklich verließ und wie weit Vor- und Nachsorge des Freistaates für die Seniorin reichte. Ein Klingeln des Täters allein hätte nicht gereicht, wie Prozessbeobachter im Falle Zschäpes meinen. Da beweist das Klingeln sogar bedingten Vorsatz, also die Einschätzung, die gehbehinderte Nachbarin habe sich in Lebensgefahr befunden.8)

Frühling

Die verschränkte Sequenz der beiden Ereignisse in Eisenach und Zwickau verlangte länderübergreifende Abstimmung. Etwa so wie zwischen den Herren Leucht, Merten und Wötzel nach dem Arnstädter Bankraub oder der Zusammenarbeit beim Nichtfinden des abgetauchten Trios in Sachsen.

Auch das spricht gegen den improvisierten, nachgeschobenen Ad-hoc-NSU, bei dem das Antifa-Schwänzchen mit dem Schweinesystem wedelt. Terrorsimulation im Übergang: Hier musste das Siedlerheim geräumt sein, dort ein geeigneter Stellplatz her für ein mit Waffen, Beutegeld und Leichen präpariertes Wohnmobil und eine reibungslose NSU-Geburt. Erst dann ward es Licht; kraftvoll elementar und gut sichtbar als Signalfeuer.

Spannend aber bleiben die logischen und rechtlichen Konsequenzen der Brände: Wenn Beate Zschäpe das „Terrornest“ nicht anzündete, muss es zwingend einen anderen Täter geben und der oder die sind noch zu ermitteln. Das bedeutet, gegen gefasste Brandstifter ist eine Anklage möglich. Leicht abgewandelt sähe die dann aus wie die Vorlage der BAW:9)

Ferner wird ihr ihnen in der Anklageschrift zur Last gelegt, die Unterkunft der terroristischen Vereinigung in Zwickau in Brand gesetzt und sich dadurch wegen eines weiteren versuchten Mordes an einer Nachbarin (und zwei Handwerkern?) und wegen besonders schwerer Brandstiftung strafbar gemacht zu haben.

Bei wenigstens zehn Jahren Verfolgungsverjährung müssen behördlich geschützte Pyromanen noch dreieinhalb Jahre zittern, eher länger. In einem komatösen Rechtsstaat bleibt solange die Chance gewahrt, den NSU-Schwindel doch juristisch zu knacken. Und das ist in dieser Zeit eine gute Nachricht.

 


Quellen und Anmerkungen

1)   https://www.welt.de/print-welt/article685336/Madonna-weint-nicht-mehr.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Sonnenwunder

2)  http://www.zeit.de/news/2013-04/15/prozesse-der-nsu-prozess-in-zahlen-und-fakten-15132406

3)

[1998 Nichtsprengung der Garage in Jena, mit Benzin, Schwarzpulver und Riesaer Zündhölzern.]
Ich besorgte mir jedenfalls eine leere 0,7 Literflasche und füllte diese an der Tankstelle mit Benzin. Mit der Flasche unterm Arm bin ich zur Garage gelaufen, um mit Hilfe des Benzins das dort gelagerte Propagandamaterial zu verbrennen. Ganz in der Nähe der Garage sah ich mehrere Personen, die anscheinend ihr Auto reparierten.
Dieser Umstand hielt mich davon ab, das Benzin in der Garage auszuschütten und anzuzünden. Denn ich ging aus Erzählungen der beiden davon aus, dass sich eine Menge – wie viel genau wusste ich nicht – Schwarzpulver dort befindet und ich nicht abschätzen konnte, was wohl mit den in der Nähe befindlichen Personen passiert, wenn das Benzin brennt und mit dem Schwarzpulver in Berührung kommt. Das Schwarzpulver hatten Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt Silvesterknallern entnommen. Erst in diesem Augenblick war mir der Gedanke gekommen, dass das Schwarzpulver und damit die Garage explodieren könnte.
Nach dem Anmieten der Garage hatte ich diese nur ein paar Mal betreten und am 26. Januar keine Kenntnis von den im Bau befindlichen Rohrbomben und vom TNT. Dies hatten mir Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt verschwiegen. Heute vermute ich, dass ich mich wohl selbst in die Luft gesprengt hätte, wenn ich das Benzin ausgeschüttet und angezündet hätte.
[2011 Sprengung der Wohnung FS 26 mit Benzin und Riesaer Zündhölzern, ohne Schwarzpulver, denn zumindest 5 Pfund haben überlebt]
Ich nahm mein Feuerzeug, entzündete dies und hielt die Flamme an das Benzin, das sich auf dem Boden verbreitet hatte. Das Benzin fing sofort Feuer, und dieses schoss geradezu durch den gesamten Raum. Alles, was sich in der Wohnung befand, sollte verbrennen. Ich bin mir des Widerspruches bewusst.

Zitiert aus: Siegfried Mayr, „Beate Zschäpe – Weltordnung der Ergebung“
(gerettetes Textfragment eines Staatsterrorkenners und von mir hochgeschätzten Melancholikers)

https://parlograph.wordpress.com/2015/12/13/betonsteinschnecke/

http://arbeitskreis-n.su/blog/2014/11/05/zwickau-4-11-2011-sprengstoff-schwarzpulver-und-benzin-teil-3/

Unglaubwürdig ist das Geständnis auch für Staatsschützer Aust, wenn auch aus anderer Perspektive: Zschäpes Aussage – „Zu konstruiert, um wahr zu sein“
https://www.welt.de/politik/deutschland/article149803799/Dokumentation-Die-Aussage-der-Beate-Zschaepe.html

4) https://sicherungsblog.wordpress.com/2017/03/24/4-11-2011-zwickau-gesucht-wird-frau-taetowiert-surfte-am-pc-nach-tierschuetzerseiten-gab-2-katzen-ab/

5) NSU-Leaks, Band 4.2, Ordner 2, Komplex Wohnung Trio

6) NSU-Watch, 36. Verhandlungstag, 19. September 2013

7) https://sicherungsblog.wordpress.com/2015/02/27/der-merkwurdige-nicht-so-ganz-verkauf-des-hauses-fruhlingsstrasse-26-in-zwickau-2011/

8) http://gfx.sueddeutsche.de/politik/2016-04-25_nsu-prozess/article10/

9) http://www.generalbundesanwalt.de/de/showpress.php?newsid=460

 

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lichtung

manche meinen
lechts und rinks
kann man nicht velwechsern
werch ein illtum

Ernst Jandl, 1966

 

Erstaunlich: Jene Werkzeuge, mit denen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos ihre Morde und Banküberfälle planten und spurlos ausführten, ihre nationalsozialistischen Denkorgane also, deren Gedankenausscheidungen unsere Experten nach allen Regeln der Kunst untersucht und seziert haben, lagen im Stregdaer Wohnmobil noch unbeachtet unterhalb der Küchenzeile, als Leichen und Waffen längst asserviert und herausgebracht waren. Und auch später kümmerte sich niemand darum.

01_womo_gehirn_uebersicht 02_womo_gehirn_detail

Abb. 01 (links): Gehirnmasse linke untere Bildecke;
Übersichtsaufnahme der KPI Gotha, Aktenteil 4.1.6, S. 256
Abb. 02 (rechts): Gehirnmasse am linken Bildrand,
Detailaufnahme aus Band 4.1.9, S. 454

In den Kommentarspalten des Bloggers von „friedensblick.de“ entspann sich vor einigen Wochen eine Diskussion über die Lage dieser Gehirnmassen. Denn es ergeben sich einige Probleme. Zu welchem der beiden Toten gehören sie und was sagt die Auffindesituation über das Geschehen im Wohnmobil aus? Lässt sich anhand der Zellmasse etwas über die Flugbahnen der Geschosse sagen? Und passt ihre Lage zur Tathergangshypothese des BKA?

User Johannes steigt mit einer Hypothese ein, die mehrere Fragen zur Ballistik der Schüsse und den Ablauf der suizidalen „NSU-Selbstenttarnung“ anreißt.1)

Was definitiv auch n i c h t passt, und wohl bisher niemanden aufgefallen ist, sind die beiden Grosshirnmassen die am Wohnmobilboden im Küchen/Herd Bereich waren und fotografiert wurden. Sie lassen rückschliessen (falls die beiden Grosshirnanteile jeweils zu Böhnhard und Mundlos gehörten, dass die Krönleinschüsse (Böhnhard in die Schläfe, Mundlos in den Mund) den beiden Opfern am Boden liegend mit den Köpfen im Bereich der Fundstelle der deutlich sichtbaren Grosshirnanteile zugefügt wurden.

Das ist ein wichtiger Ansatz, auch wenn sich das Vermutete nicht rückschließen lässt. Wir wissen weder wessen Gehirnmasse da liegt, noch wie, wann und durch wen sie dahin gelangte. Von Schussdefekten im Boden des Wohnmobils ist nichts bekannt. Kriminaldirektor Menzel und der Eisenacher Kriminalist Lotz hatten sich nach erster Inaugenscheinnahme auf suizidale Handlungen im Wohnmobil festgelegt, es gab keine Ermittlungen eines Tötungsverbrechens.

Wir können aber jene BKA-Hypothese, die sich als quasioffizielle Darstellung festgesetzt hat, auf Wahrscheinlichkeit hin überprüfen und die Diskussionsgrundlage zum Geschehen im Wohnmobil erweitern.

Die Überlegungen sollen wie folgt gegliedert werden:

  1. BKA-Hypothese und Ausgangslage
  2. Auffindesituation Wohnmobil
  3. Mögliche Positionen und Körperhaltungen von B. und M. in Verbindung mit Schusskanälen, Geschossflugbahnen, Schussdefekten im Dach und Lage der aufgefunden Leichen
  4. Lage der Gehirnmasse, Auffindesituation der Leichen und Spurenbilder (Blutanhaftungen)
  5. Fazit

1. BKA-Hypothese und Ausgangslage

In den vom Arbeitskreis NSU veröffentlichten Aktenteilen2) stellt Kriminaloberkommissar Burkhardt im Vermerk vom 21. November 2011 auf Basis der damaligen Ermittlungsergebnisse eine Hypothese auf, die Kriminaldirektor Menzels unmittelbare und ausschließliche Annahme suizidaler Handlungen ohne Beteiligung Dritter vom 4. November 2011 untermauert.3) Obwohl ausdrücklich im Konjunktiv gehalten, wird dieser Hergang fast unverändert so auch öffentlich kommuniziert. Alternative Erklärungsansätze sind zumindest im Umfeld der bekanntgewordenen Ermittlungen nicht ernsthaft weiterverfolgt worden.

Das ist bemerkenswert, unter anderem deshalb, weil der Konjunktiv „könnte“ im BKA-Vermerk durch Fettstellung und Unterstreichung doppelt hervorgehoben ist und weil beispielsweise die beiden Polizisten Seeland und Mayer Schüsse aus dem Wohnbereichsfenster in Richtung Häuserfront dementierten.

Anhand der Spurensitutation im Inneren des Wohnmobils, der Umstände ausserhalb des Wohnmobils und der Zeugenaussagen könnte es sich im Wohnmobil wie folgt zu getragen haben.

Hypothese:

* Die Täter registrieren innerhalb des Wohnmobils, dass sich Polizeibeamte vor dem Wohnmobil befinden. […]

* BÖHNHARDT eröffnet durch das Fenster des Wohnmobils mit der Maschinenpistole das Feuer auf die Beamten. Das Projektil verfehlt die Beamten und geht zwischen dem Papiercontainer und dem abgeparkten KFZ in die Wand (siehe lila-gestrichelte Linie im Schaubild). + Schuss 1, 9mm Hülse […]

* Die Waffe des BÖHNHARDT erleidet nach einem Schuss einen Defekt (Patronenklemmer) und wird von ihm auf die Bank unter dem Fenster gelegt. + Auffindeort Maschinenpistole, Zustand Maschinenpistole, Auffindesituation Leiche BOHNHARDT

* BÖHNHARDT kommt durch einen Schuss der Winchester Pumpgun in die linke Schläfe zu Tode. + Obduktionsergebnis Böhnhardt, Schuss 2, erste Brennecke-Hülse

Vermutlich wurde der Schuss durch MUNDLOS abgefeuert

noch keine Nachweise hierfür verfügbar, jedoch aufgrund der Umstände (schnelle

Schussfolge zwischen erstem und zweiten Schuss, die je mit verschiedenen Waffen durchgeführt wurden) ist es wahrscheinlicher als eine Selbsttötung mit der Pumpgun (umständlich sich mit einer langläufigen Waffe in die Schläfe zu schießen).

* MUNDLOS entfacht mit Papier ein Feuer im Wohnwagen. + BOHNHARDT war zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben (Kein Rauch in der Lunge). Der Brandgutachter geht durch eine Entzündung mit Papier in der Mitte des Wohnwagens aus.

MUNDLOS setzt sich im hinteren Teil des Wohnmobils auf den Boden, stellt die Pumpgun auf den Boden, steckt sich die Waffe in den Mund und tötet sich selbst.

Obduktionsergebnis MUNDLOS, Zeugenaussage bzgl. wegfliegender Deckenverkleidung im hinteren Teil des Wohnmobils, zweite Brennecke-Hülse, Auswurf der Hülse aus der Pumpgun nur möglich durch einen Schuss von unten nach oben

Wir konzentrieren uns auf die Aussagen zur Abfolge der Schüsse, des erweiterten Suizidgeschehens und die sich daraus ergebenden Konsequenzen zur Ballistik und räumlichen Situation im Wohnmobil. Die Schussdefekte im Fahrzeugdach werden einbezogen. Alle sonstigen Widersprüche bleiben im Wesentlichen unberücksichtigt.

Die beiden Leichen im Wohnmobil wurden anhand von Fingerabdrücken und DNA-Vergleich als Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt identifiziert. An der Zuverlässigkeit dieser Identifizierung bestehen nach Auffassung des Verfassers zwar weiter begründete Zweifel. Die Namen Böhnhardt (Asservatkomplex 1.1) und Mundlos (Asservatkomplex 1.2) werden dennoch aus Gründen der leichteren Zuordnung der Ermittlungsergebnisse verwendet.

Der Jenaer Rechtsmediziner Dr. Reinhard Heiderstädt beschreibt im Münchner NSU-Prozess Böhnhardts Kopfverletzung so, dass der sogenannte Krönleinschuss die Hirnmasse fast vollständig aus dem Schädel herausgeschleudert habe. Im Schädel seien lediglich noch etwa einhundert Gramm Gehirn verblieben (Anm. Die Gesamtmasse eines männlichen Gehirns hat ein Gewicht von etwa 1.400 g). Böhnhardt sei sofort handlungsunfähig gewesen. Bei Mundlos habe es eine große Aufreißung der hinteren Kopfoberseite gegeben. Auch hier sei das Gehirn bis auf fünfhundert Gramm Resthirn aus dem Kopf herausgeschleudert worden.4)

2. Auffindesituation Wohnmobil

Die als Uwe Böhnhardt identifizierte Leiche befand sich im mittleren Teil des Wohnbereiches, Uwe Mundlos im hinteren Teil. Beide Personen wurden nach Angaben der Ermittler durch je einen Kopfschuss mit einem Brenneke Flintenlaufgeschoss aus einer Pumpgun Winchester Defender 1.300 getötet.

Beide Schüsse soll Uwe Mundlos abgegeben haben; auf Uwe Böhnhardt durch Nahschuss in die linke Schläfe mit einem Austritt des Geschosses im Bereich der rechten Schläfe bzw. oberhalb des rechten Ohres. Angenommen werden kann deshalb ein Schusswinkel von ca. 5° bis 10°. Dem Kopfschuss auf Böhnhardt wird der Schussdefekt im vorderen Wohnmobildach zugeordnet (BT 2).

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Abb. 03: Schussdefekte im Wohnmobildach, im Aktenkonvolut vorn als BT02, hinten BT01 bezeichnet

Bei der anschließenden Selbsttötung soll Mundlos den Schuss von vorn in den Mund mit Geschossaustritt im hinteren Schädelbereich ausgelöst haben. Hier darf ein Schusswinkel von etwa 45° angenommen werden. Ein wesentlich steilerer oder flacherer Schusswinkel würde eine unnatürliche Zwangshaltung von Waffe, Kopf und Körper erfordern, für die situativ keine Notwendigkeit bestand.

Der Arbeitskreis NSU hat herausgearbeitet,5) dass die öffentlich gewordenen Fotodokumente Abweichungen der Auffindesituation zeigen insbesondere bei der Lage der als Uwe Böhnhardt identifizierten Leiche. Der Kopf des Opfers im Vordergrund schließt in Abb. 4 mit der Rücklehne der Sitzbank ab. In Abb. 5 ist die Lage des Kopfes in Richtung Fahrerkabine versetzt und schließt etwa in der Mitte der Sitzbanktiefe ab.

03_womo_uebersicht_leichen 04_womo_uebersicht_leichen

Abb. 04: Aufnahme mutmaßlich in Stregda; Abb. 05: Aufnahme mutmaßlich nach Abtransport des Wohnmobils; (zum Vergrößern anklicken)

Es ist anhand der Lichtverhältnisse und der durchs Seitenfenster erkennbaren Umgebung überzeugend dargestellt worden, dass einige Aufnahmen am Auffindeort in Eisenach-Stregda entstanden, andere mutmaßlich in der Fahrzeughalle der Abschleppfirma, in die das Wohnmobil am 4. November 2011 verbracht wurde.

Widersprüchliche Zeugenaussagen (Feuerwehr, Polizei) in Bezug auf sichtbare Verletzungen und Körperpositionen bleiben hier unberücksichtigt. In Abb. 4 ist die Lage Böhnhardts wegen herabgefallenen Deckenmaterials nicht erkennbar. Abb. 5 zeigt eine vermutlich später entstandene Aufnahme. Die Dachverkleidung ist offenbar entfernt worden, Böhnhardt liegt auf der linken Bauchseite. Links neben Böhnhardts Kopf, also auf der Seite der Geschosseintrittswunde, ist deutlich Gehirnmasse zu erkennen. Die Austrittswunde, aus der das Gehirn herausgeschleudert wurde, befindet rechts (hier in Richtung Sitzgruppe). Ein schweres Problem, wie wir sehen werden.

Um das zu verdeutlichen, wurde die Lage der Leichen schematisch in einen Grundriss gezeichnet und in eine Seitenansicht übertragen (Abb. 6). Gleiches gilt für die Position der Geschossaustrittslöcher im Wohnmobildach. Die Körpergrößen von Mundlos und Böhnhardt wurden als gerundete Werte berücksichtigt (Asservatekomplex 1.2, UM ca. 180 cm, Asservatekomplex 1.1, UB ca. 185 cm). Für alle grafischen Darstellungen gilt, dass Größenverhältnisse der Zweckmäßigkeit der Darstellung entsprechend beachtet wurden.

05_womo_uebersicht_leichen_grafikAbb. 06: oben: Lage der Leichen in Aufsicht und Lage der Leichen (Asservatkomplexe 1.1 – Böhnhardt, 2.1 – Mundlos); unten: seitliche Darstellung (Beifahrerseite); Angabe der Schussaustritte im Dach

Es herrscht teilweise Unklarheit darüber, ob Uwe Mundlos eine überwiegend sitzende oder liegende Haltung im hinteren Teil des Wohnbereiches einnimmt. Das rechte Knie von Mundlos schließt etwa in der Mitte der Kühlschrankverkleidung ab. Der Abstand bis zum rückwärtigen Bett beträgt etwa 110 cm ohne die Unterschenkellänge. Der Kopf der Leiche schließt in der Höhe mit der leicht erkennbaren Bettrahmenfront ab, das sind ca. 40 cm. Diese beiden Maße belegen eine liegende Haltung der Leiche. Der Eindruck einer „sitzenden“ Position entsteht durch Aufnahmewinkel und perspektivische Verkürzung.

Soweit die Ausgangssituation.

3. Mögliche Positionen und Körperhaltungen von B. und M. in Verbindung mit Schusskanälen, Geschossflugbahnen, Schussdefekten im Dach und Lage der aufgefunden Leichen

Wir untersuchen zunächst die Schussabgabe auf Uwe Böhnhardt. Laut BKA-Hypothese hielt sich U.B. an der Sitzgruppe auf mit Blickrichtung zur gegenüberliegenden Straßenseite. Dort sind nach eigenen Angaben auch die Polizisten in Deckung gegangen. Dem Schuss auf Böhnhardt durch Mundlos wird der Schussaustritt BT02 im vorderen Dachaufbau zugeordnet. Eine andere Zuordnung ist vor allem wegen der Lage des toten Mundlos nicht plausibel darstellbar.

Der letale Schuss erfolgte nach Hypothese aus einem Vorderschaftsrepetiergewehr Pumpgun Winchester 1300 Defender Kaliber 12. Verwendet wurden ausweislich BKA-Akten Brenneke Flintenlaufgeschosse mit einer Länge von 62 mm. Ein Schusswinkel von ca. 5° bis 10° ergibt sich aus Eintritts- und Austrittswunde in Böhnhardts Schädel. Eine möglicherweise geringfügige Ablenkung des Geschosses innerhalb des Schusskanals ist nicht einbezogen.

Wir nehmen zunächst der Hypothese folgend eine geduckte Haltung Böhnhardts an, der aus dem Seitenfenster (Fahrerseite) auf die Polizisten geschossen haben soll oder dies versuchte. Neben der Geschossflugbahn wird die mögliche Fallrichtung Böhnhardts gezeigt. Böhnhardt befand sich selbst bei geduckter Haltung in relativ instabiler Position. Der Schussaufprall des Flintenlaufgeschosses hätte aufgrund hoher kinetischer Energie mit Wahrscheinlichkeit ein Abkippen in Richtung Fahrerzelle bewirkt.

09_womo_ub_01Abb.07: Geschossflugbahn bei kauernder Körperhaltung Böhnhardts und ungefähre Position des Dachdefektes; angenommene Sturzrichtung Böhnhardts

Zwei gravierende Widersprüche zur BKA-Hypothese werden erkennbar: Bei einer hockenden bzw. kauernden Körperhaltung Böhnhardts ist wegen des Schusskanalwinkels zwischen Eintritts- und Austrittswunde der Schussdefekt im vorderen Wohnmobildachaufbau nicht darstellbar. Die zu erwartende Sturzrichtung aufgrund der Geschossaufprallwucht entspricht nicht der Auffindsituation, die eine Lage zeigt, bei der Böhnhardt in Richtung des Schützen Mundlos gefallen ist. Im Falle eines Sturzes in Richtung Mundlos hätten die engen räumlichen Verhältnisse die anschließende Brandlegung an der Sitzgruppe erheblich erschwert.

Alternativ ist zu untersuchen, ob eine andere Körperhaltung Böhnhardts das Problem des Schussaustritts im Dachbereich lösen kann. Die nächste Abbildung zeigt sowohl Böhnhardt als auch den Schützen Mundlos in stehender Position.

10_womo_ub_02Abb. 08: Geschossflugbahn bei stehender Körperhaltung Böhnhardts und ungefähre Position des Dachdefektes; angenommene Sturzrichtung Böhnhardts

Beide bereits beschriebenen Widersprüche zur BKA-Hypothese treten erneut auf: Auch bei stehender Körperhaltung Böhnhardts wird wegen des Schusskanalwinkels zwischen Eintritts- und Austrittswunde der Schussdefekt im vorderen Wohnmobildachaufbau verfehlt.

Auch bei diesem Szenario ist davon auszugehen, dass der mutmaßlich überraschte Böhnhardt der Wucht des Geschossaufpralls keine dem Schussaufprall entgegengesetzte Bewegungen ausführt und deshalb in Schussrichtung fällt. Eine entgegengesetzte Kipprichtung ist nicht zuletzt fragwürdig, weil im beengten Gang des Wohnbereiches die Leiche Böhnhardts den Zugang zur Brandlegung stark erschwert hätte. Nach Darstellung der Polizisten war der gesamte von außen beschriebene Ablauf bis zur Rauchentwicklung zeitlich dicht gedrängt.

Bei der anschließenden Selbsttötung von Mundlos geht die BKA-Hypothese davon aus, dass sich Mundlos, nachdem er den Brand legte, in den hinteren Bereich setzte und die Waffe von unten nach oben gerichetet in den Mund schoss. Eine natürliche Körperhaltung würde auf einen Schusswinkel von etwa 45° als plausibel erscheinen lassen.

11_womo_um_01Abb. 09: Geschossflugbahn bei sitzender Körperhaltung von Mundlos und ungefähre Position des Schussdefektes im Dach; mit Sturzrichtung

Die mögliche Sitzposition von Mundlos im hinteren Wohnbereich wird nach vorn durch die Lage der Leiche Böhnhardts, nach hinten durch das hochgeklappte untere Bett begrenzt. Um die Geschossflugbahn mit Schussdefekt BT01 sowie die Endposition der Leiche nach Möglichkeit in Einklang zu bringen, wurde die Sitzposition beim Suizid so weit wie möglich an die Leiche Böhnhardts verlagert. Dennoch gibt es eine erhebliche Abweichung zwischen erwartetem Schussaustritt im Dachbereich und dem tatsächlichen Schussdefekt.

Nehmen wir ein hochgeklapptes Bett mit textiler bzw. kunststoffgefüllter Matratze und einem Lattenrost aus Holz an, erscheint ein Ab- bzw. Rückpraller unwahrscheinlich.6) Eine signifikante Ablenkung des Geschosses innerhalb des kurzen Schusskanals im Schädel zwischen Eintritt und Austritt ist in Bezug auf die Austrittswunde im hinteren Schädel unwahrscheinlich.

Das erwartete Spurenbild wird weiter unten besprochen. Es ist in der folgenden Darstellung alternativ zur BKA-Hypothese zu untersuchen, ob eine stehende Schussposition zumindest den Schussaustritt im Dach erklären kann.

12_womo_um_02Abb. 10: Geschossflugbahn bei stehender Körperhaltung von Mundlos und ungefähre Position des Dachdefektes; mit Sturzrichtung

Hier ergibt sich theoretisch eine mögliche Übereinstimmung zwischen Geschossflugbahn und Position des Schussdefektes im Wohnmobildach. Allerdings ließe der abschließende suizidale Akt eher eine „kontemplative“ und zurückgezogene Position, etwa der Sitzhaltung erwarten, statt angespannten Stehens mit Blickrichtung auf die Leiche Böhnhardts.

Eine Notwendigkeit, die Selbsttötung ohne Rücksicht auf den Umständen entsprechende selbstgewählte Bedingungen eines endgültigen Abschieds schnellstmöglich durchzuführen, bestand nicht.

4. Lage der Gehirnzellmasse, Auffindesituation der Leichen und Spurenbilder (Blutanhaftungen)

Wir legen weiter die BKA-Hypothese zum Geschehen im Wohnmobil trotz der gezeigten erheblichen Widersprüche bei Geschossflugbahnen, Schussdefekten im Dach sowie Position und Lage der Leichen zugrunde. Es ist zu klären, ob und wie die Kopfschussverletzungen (Krönleinschüsse) mit der Lage der Gehirnmasse(n) in Einklang zu bringen sind.

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Abb. 11: Deutlich erkennbar drückt der rechte Oberschenkel von Mundlos gegen die Kühlschrankfront. Ein Verrutschen der Gehirnzellmasse wird blockiert.

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Abb. 12: In Richtung Fahrerkabine verhindern die Leiche Böhnhardts sowie Deckenverkleidung ein Verrutschen der Gehirnmasse

Charakteristisch für die Lage der Gehirnzellmasse ist, dass sie durch beide Leichen, herabgefallenes Dachmaterial und die seitliche Begrenzung durch Küchenzeile und Sitzbank fixiert wird. Ein Verrutschen der herausgeschleuderten Gehirnteile über größere Distanz durch Löscharbeiten der Feuerwehr ist nicht plausibel. Die Ebene der Wohnbereichsgrundfläche im Wohnmobil ist zur Fahrerseite hin abschüssig, eine Veränderung der Lage hätte also eher in Richtung Fahrerkabine erfolgen müssen. Das würde besonders im Fall Böhnhardt die BKA-Hypothese noch mehr schwächen.

14_womo_gehirn_ub_01Abb. 13: Bewegungsrichtung der herausgeschleuderten Gehirnmasse bei Böhnhardt mit Schussrichtung nach vorn

Der Schuss wurde Böhnhardt in die linke Schläfenseite beigebracht, die Schussaustrittsverletzung befindet sich auf der rechten Kopfseite. Die Grafik macht deutlich: Der Blut- und Zellgewebeaustritt auf der rechten Kopfseite Böhnhardts hätte bei Blickrichtung Böhnhardts zur gegenüberliegenden Hausseite mit signifikanten Blut- und Gewebespuren in Richtung Fahrerkabine erfolgen müssen. Die mutmaßliche genaue Endposition der Gehirnmasse ist dafür unerheblich.

 

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Abb. 14: Bluttypische Anhaftungen am Zugang zum vorderen Wohnbereich auf der Beifahrerseite

Außer wenigen Blutanhaftungen an Türinnenseite und Fahrzeugkabinenrückseite ist jedoch kein nennenswertes, eventuell konzentrisch verlaufendes Spurenbild dokumentiert, das dem Auftreffen herausgeschleuderten Blutes und Gehirnteile nachvollziehbar entspricht (etwa am Beifahrersitz). Es ergibt sich außerdem keine plausible Möglichkeit, dass Schussverletzung und Lage der Gehirnmasse in Auffindessituation in Einklang zu bringen sind.

Ähnlich widersprüchlich stellt sich das Spurenbild bei Uwe Mundlos dar. Dabei ist zu vernachlässigen, ob man von einer sitzenden oder stehenden Schussposition ausgeht.

16_womo_gehirn_um_02Abb. 15: Bewegungsrichtung der herausgeschleuderten Gehirnmasse bei Mundlos mit Schussrichtung nach hinten-oben, mögliche Endposition der Gehirnteile im Vergleich zur Auffindeposition

Mundlos musste zwingend den eigenen suizdalen tödlichen Schuss in Richtung Fahrzeugheck abgeben, so dass das herausgeschleuderte Gehirn ebenfalls in Richtung Fahrzeugende bewegt wurde. Gehirnmasse, die beim Austritt in größeren Teilen erhalten blieb, wäre mit großer Wahrscheinlichkeit durch den nach hinten kippenden Mundlos bedeckt oder bei späterem Herabfallen des Gehirngewebes aufgefangen wurden. Die Leiche Mundlos hätte durch ihre Lage ein Verrutschen der Hirnmassen zusätzlich blockiert.

Ein plausibles Szenario wird hier wie bei Böhnhardt durch das fehlende Spurenbild signifikanter Blut- und Zellgewebeanhaftungen im Bereich unterhalb des Schussdefektes im hinteren Dach bzw. auf der textilen Bettverkleidung erschwert. Die Fotodokumente weisen außer einigen zufällig wirkenden Blutspritzern im unteren Türbereich der Nasszelle keine der Schwere der Schussverletzung entsprechende Verteilung von Blut- und Gewebeteilen aus. Bei Mundlos wären aufgrund des Kontaktes mit dem hochgeklappten Bett insbesondere Rutschspuren durch Heruntergleiten des tödlich Verletzten in die Endposition zu erwarten.

18_womo_gehirn_um_04 17_womo_gehirn_um_03

Abb. 16 und 17: Links: Auffindesituation der Leiche Mundlos, hervorgehoben wenige bluttypische Anhaftungen im unteren Bereich der Badtürinnenseite; rechts: Bereich, für den die Verteilung von Blut- und Gewebespuren im Einklang mit der Schuss- und Fallrichtung Mundlos wahrscheinlich wäre

5. Fazit

Die Lage der Gehirnmassen sowie die Position der Leichen und Schussdefekte im Wohnmobildach ist für beide aufgefundenen Leichen nicht mit der Tathergangshypothese des BKA in Übereinstimmung zu bringen. Es ergibt sich ausgehend von den Schussein- und -austrittsverletzungen derzeit kein Szenario, das Auffindesituation der Leichen, der Gehirnmassen und der Schussdefekte im Dach plausibel erklärt. Lediglich für Uwe Mundlos ist bei hypothetischer Annahme eines Suizides in stehender Position der Schussaustritt im hinteren Bereich des Wohnmobildaches nachvollziehbar.

Es konnte gezeigt werden, dass die vom BKA aufgestellte Hypothese mehrere schwerwiegende Widersprüche der Auffindesituation nicht auflösen kann. Dazu gehören Probleme der Geschossflugbahnen, die Lage der Gehirnmasse in Abhängigkeit der Schussverletzungen oder die Lage der Leiche Böhnhardts.

Die BKA-Hypothese ist damit in wesentlichen Teilen nicht haltbar und muss durch neue Erklärungsansätze ersetzt werden. Der Ablauf des Geschehens im Wohnmobil am 4. November 2011 bleibt weiter ungeklärt. Er ist jedoch von zentraler Bedeutung für die Aufklärung des gesamten NSU-Komplexes u.a. in Bezug auf Todesumstände der aufgefundenen Leichen, die Klärung behördenseitigen Vorwissens und mutmaßliche Tatortveränderung.

 


Fußnoten und Anmerkungen

1) http://friedensblick.de/17619/tatort-eisenach-stregda-thueringer-nsu-ausschuss-deckt-immer-neue-fragwuerdigkeiten-auf/#comment-4872

2) Band 4.1, Ordner 1, Allgemeines, Aktenvermerk BKA, nicht paginiert, PDF-Dokument S. 20

3) eda., siehe Einsatzverlaufsbericht Lotz, S. 3 von 5, PDF-Dokument S. 25

4) https://www.nsu-watch.info/2014/06/protokoll-114-verhandlungstag-21-mai-2014/

5) http://arbeitskreis-n.su/blog/2015/11/05/4-11-2011-womo-fotobeweis-badwaffenfoto-wurde-nach-entfernung-der-leichen-aufgenommen/

6) vgl. Rückpralluntersuchung von Baumstämmen und Mauern bei Flintenlaufgeschossen, Pkt. 8.2 bes. 45°, und Ergebnisse 8.3.1 und 8.3.2

Das verwendet Fotomaterial des Auffindeortes Wohnmobil stammt aus den öffentlich zugänglichen Aktenteilen.

Untot in Stregda

              thomas_gubert

Sie glauben wohl nicht, dass die Polizei
die Feuerwehr ans Messer liefert oder
in eine Situation lässt, wo geschossen wird!?“
Polizeirat Thomas Gubert
ehem. Leiter der Polizeiinspektion Eisenach

Das muss man ihnen lassen: hartnäckig sind sie. Zum dritten Mal schon hat der Thüringer NSU-Untersuchungsausschuss versucht, das Geschehen am 4. November 2011 in Eisenach-Stregda aufzuklären. Wieder sammelten die Parlamentarier Details, Bilder und Aussagen, um endlich zu verstehen, wie sich die vorgeblichen Rechtsterroristen Böhnhardt und Mundlos unter Aufsicht und begleitet von Polizei, Feuerwehr und Presse „selbst enttarnten“ und was danach passierte.

Das Ergebnis der Ausschusssitzung vom 27. August ist mager. Gravierende Widersprüche können die Ausschussmitglieder weiter nicht auflösen. Den Befragten gegenüber verzichten sie auf einfachste Aussagenlogik. Es scheint, als kapitulierten Dorothea Marx und ihre Detektive vor einer aufgehäuften Masse an Einzelheiten, als haben sie den Blick fürs Wesentliche verloren und das Extrahieren von Zusammenhängen aufgegeben.

Wichtige Spuren, wie die Zeugenaussagen zum „dritten Mann“ werden nicht weiterverfolgt, logische Brüche, wie das Vordatieren beim Beschaffen der Vermisstenakte Mundlos durch Polizeichef Menzel, ignoriert, Merkwürdigkeiten, wie das Fehlen von Böhnhardts Fingerabdrücken im und am Wohnmobil gar nicht erst thematisiert. Bisher jedenfalls.

Zur Zeugenbefragung geladen waren nach Erfurt eine Fotojournalistin, der damalige Amtsleiter der Eisenacher Berufsfeuerwehr, ein Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr, die Rechtsmedizinerin Prof. Else-Gitta Mall und Mitarbeiter der Abschleppfirma, die den mutmaßlichen „mobilen Tatort“ wegschaffte.

Kein Auftrag, keine Erinnerung

Große Hoffnung hatte die Aufklärergemeinde in die Befragung der Leiterin der Jenaer Rechtsmedizin, Prof. Mall, gesetzt. Sie wurde zugleich auch die schwerste Enttäuschung. Das einzige, was Frau Mall zuverlässig erinnern konnte, waren Name, Alter und Familienstand.

Der Rest war Amnesie. An den Fundort der Leichen in Stregda geriet sie mehr zufällig, zur Lage, Verletzungen und Todesumständen der Leichenfunde im Wohnmobil wusste sie wenig bis nichts zu sagen. Einen Untersuchungsauftrag gab es nicht, schriftliche Aufzeichnungen fertigte ihr Ärzteteam nicht an, nach einer halben Stunde Wartens am Wohnmobil zog Prof. Mall mit ihren Kollegen unverrichteter Dinge ab.

Den nahezu vollständigen Gedächtnisverlust Malls dokumentiert der Sitzungsbeobachter und Blogger Querläufer.1) Ungewöhnlich ist der Blackout allemal: Die schweren Kopfverletzungen durch großkalibrige Nahschüsse sollten auch bei einer routinierten Rechtsmedizinerin bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Umso mehr, als die späteren Entwicklungen und Berichte zum „NSU“ einen prägenden Zusammenhang herstellten.

Um Prof. Malls Erinnerungen zu reaktivieren, wäre ein Abgleich der Fotoaufnahmen des Feuerwehreinsatzleiters oder des Kriminalbeamten Lotz mit späteren Aufnahmen aus der Halle hilfreich gewesen.

Hier aber gibt es das nächste Problem: Die Einziehung der Speicherkarte durch Polizeidirektor Menzel wurde vom Ausschuss zwar kritisiert, die viel wichtigeren Fotodokumente selbst scheinen indes noch immer nicht vorzuliegen. Wer ansonsten noch welche Fotoaufnahmen in Stregda und anschließend in der Fahrzeughalle machte, bleibt bisher ebenso ungeklärt und ungeordnet.

Die Passivität Prof. Malls und Dr. Heiderstädts in Stregda wurde damit begründet, dass zunächst die Spurensicherung den mutmaßlich Tatort untersuchen sollte. Das mag zwar einleuchten. Zugleich aber äußerte die Rechtsmedizinerin Verständnis, dass man sie direkt hinzuzog. Im Falle eines Tötungsdeliktes könnten zeitnahe Temperaturmessungen an den Leichen den Todeszeitpunkt bestimmen.

Genau das jedoch unterblieb. Auch formal wurde der Tod der unbekannten Personen nach derzeitiger Informationslage weder von einem Notarzt, noch von den eintreffenden Rechtsmedizinern festgestellt. Grundsätzliche Zweifel an der dargestellten Situation im Wohnmobil sind durch Prof. Mall jedenfalls nicht glaubwürdig ausgeräumt worden.

Was Frau Mall in Stregda noch nicht wissen konnte, hat der Untersuchungsausschuss in seinem Abschlussbericht zum 1. NSU-Untersuchungsausschuss veröffentlicht. Ausweislich der Sektionsprotokolle werden für beide Leichen keine Rußpartikel in der Lunge nachgewiesen.2)

III. Todesursache
Kopfdurchschussverletzung

Zur Sektion gelangte die Leiche eines zunächst unbekannten, zwischenzeitlich als Uwe Böhnhardt identifizierten Mannes. Die oberflächlichen großflächigen Hautverbrennungen an Rumpf und Gliedmaßen sind mit der Auffindesituation in einem ausgebrannten Wohnmobil vereinbar. Hinweise auf eine Rußeinatmung oder ein Rußverschlucken wurden nicht festgestellt.

[…]

III. Todesursache
Kopfdurchschuss (Mundschuss)

Zur Sektion gelangte die Leiche des 38-jährigen Mannes Uwe Mundlos. Die nachgewiesenen oberflächlichen und großflächigen Hautverbrennungen an der linken Hand und an den Beinen sind mit der Auffindesituation in einem ausgebrannten Wohnmobil vereinbar. Hinweise auf eine Rußeinatmung oder ein Rußverschlucken wurden nicht festgestellt.

Es ist also zur Stunde weder geklärt, in welchem Zustand sich welche Personen im Wohnmobil befanden, als die Ärzte Prof. Mall und möglicherweise Dr. Heiderstädt einen Blick ins Wohnmobil warfen. Noch wissen wir, warum zwar Sanitäter vor Ort waren, aber ein Notarzt bei einem Brand mit Gefährdung von Menschenleben fehlte und auch nicht hinzugezogen wurde, als sich der Verdacht von involvierten Fahrzeuginsassen bestätigte.

Gesichert ist, dass ein Herr Hennig um 12.16 Uhr „beim Patienten“ eintraf und um 12.22 Uhr „keine medizinischen Maßnahmen“ mehr erfolgten. Dem gegenüber allerdings steht eine Meldung der Polizei von 12.33 Uhr:3)

Die Abg. König (DIE LINKE) macht einen Vorhalt aus Band 9 der Akte, Polizeidirektion Gotha vom 4.11.2011. In einer Meldung von 12.33 Uhr heißt es: eine Leiche im Wohnwagen, eine zweite möglicherweise auch.

Die Abg. König (DIE LINKE) meint, dass da eventuell noch gar nicht klar war, ob die 2. Person tot ist, sondern vielleicht noch lebt.

Ob Sanitäter direkt im Wohnmobil lebensrettende Maßnahmen durchführten, werden wir voraussichtlich in der nächsten Ausschusssitzung erfahren. Ein Blick ins Fahrzeug allein dürfte auch bei der im Gang liegenden Person, die mit Brandschutt des herabgefallenen Fahrzeugdaches bedeckt war, nicht genügt haben, um eine medizinische Erstversorgung zu verweigern.

Bergungsversuche der zunächst mutmaßlich Verletzten durch Einsatzkräfte der Feuerwehr gab es im krassen Widerspruch zu den Prioritäten der Lageerkundung bei Brandeinsätzen offensichtlich nicht.

Eingezogen, Punkt – aus – Ende

Sieben Mal äußerten Zeugen in der Ausschusssitzung Ende August über die Besonderheiten des Einsatzes und der folgenden Entwicklungen, so etwas noch nie erlebt zu haben.

Wenn wir den Leichentransport eines nicht vollständig abgekühlten „mobilen Tatortes“ als Merkwürdigkeit übergehen, mit dem ungesichert eine Handgranate befördert worden sein soll, oder den angeblichen Besuch des sächsischen Innenministers in der Fahrzeughalle der Abschleppfirma Tautz und vieles andere, dann bleibt noch immer dringend klärungsbedürftig die Aussage des ehemaligen Amtsleiters für Brand- und Katastrophenschutz in Eisenach, Burkhard Steffan zur Gefährdungssituation für die Einsatzkräfte der Feuerwehr.

steffan_claus
Brandoberamtsrat Burkhard Steffan
und sein Nachfolger Brandoberinspektor Jens Claus

Hier läuft alles auf das sogenannte Aufklärungsgespräch hinaus, an dem im Nachgang des 4. Novembers mindestens der Amtsleiter Steffan, Feuerwehreinsatzleiter Nennstiel und der Eisenacher Polizeichef Gubert teilnahmen.

Pensionär Steffan glaubte im Ausschuss damit durchzukommen, dass er die Polizei als Instanz darstellt, die zu hinterfragen sich verbietet. Ein braver Beamter, der den Anweisungen der Polizei Folge leistet, denn „so sei er großgeworden“. Das mag bei der eingezogenen Speicherkarte noch klappen, bei Verantwortung für die Gefährdungssituation in Stregda aber verfängt es nicht mehr.

Machen wir einen kurzen Satz zurück in die NSU-Ausschusssitzung vom 31. März 2014. Dort hatten die beiden Polizisten Seeland und Mayer mehrfach und nachhaltig betont, dass im Wohnmobil geschossen worden war. Der Gothaer Polizeidirektor Menzel gab in dieser Ausschusssitzung an, dass das SEK angefordert wurde und Einsätze mit Waffenbezug von Beamten des höheren Dienstes geleitet werden.

Der Zeuge Frank Mayer, einer der beiden Polizisten, die zuerst am Wohnmobil eintrafen:4)

Der Zeuge erklärt, dass er gar nicht viel beitragen könne. Er habe im Zuge der Fahndung das Wohnmobil festgestellt und durchgefunkt. Dann habe man sich dem Fahrzeug genähert, es seien Schüsse gefallen. Dann kamen Rauch bzw. Flammen raus und es kamen noch zwei weitere Schüsse. Danach habe man auf weitere Kräfte gewartet.

Die Vors. Abg. Marx Schüsse gibt an, dass die Schüsse in der Akte zu Knallgeräuschen mutieren. Sie bemerkt, dass der Zeuge einen Aktenvermerk am 4.11. verfasst:

„Hinter das Wohnmobil konnte nicht eingesehen werden […] 12.05 Uhr nahmen wir Geräusche aus dem Inneren wahr […] näherten uns, dann Schuss, kurz darauf ein zweiter […] nach dem Funkspruch ein dritter Schuss […] durch Herrn Seeland wurde bemerkt dass Teile der Dachverkleidung wegflogen“. Ein Polizist soll sich daraufhin hinter einem anderen Fahrzeug versteckt haben, ein anderer habe hinter einem Mülleimer Schutz gesucht.

[…]

Frau Marx erklärt, dass Herr Menzel dann von zwei Knallgeräuschen schrieb. Nein, mit Sicherheit drei, gibt der Zeuge an. „Es müssen ja Schüsse gewesen sein, im Nachhinein wissen wir es ja“, so der Zeuge, er ja als Polizist selber öfter schiesst, er habe sowohl mit einer MP als auch mit einem G3 schon geschossen. Man erkenne das ja akustisch, was ein Schuss ist.

Der Zeuge wiederholt mehrfach „es waren definitiv 3 Schüsse“ […]

Das beteuerte in gleicher Weise sein Kollege Seeland. Riefen die beiden die Feuerwehr? Nein:

Dann habe es geknallt, “Erscht einmal”, dann suchte man Deckung. Es folgten die beiden anderen Schüsse, Rauch und Feuer. Untermann: „Und dann rufen sie geistesgegenwärtig die Feuerwehr?“, Mayer: „Nein!“, er habe das der Leitstelle durchgegeben. Untermann fragt dann weiter, warum er denn nicht die Kameraden der Feuerwehr gewarnt hätte: “Da stehen 3-4 Polizisten rum und sagen nichts, dass da drin geschossen wurde!”, da müsse man doch warten, bis da drin keine Gefahr mehr besteht empört sich der Abgeordnete.

Der Zeuge meint, dass das alles über die Leitstelle lief. Es [Was – d.A.] die an Infos weitergaben entzieht sich seiner Kenntnis.

War es also die Leitstelle der Polizei, die an die Rettungsleitstelle einen einfachen Fahrzeugbrand weitergab, obwohl sie Kenntnis von gefährdeten Personen und Schüssen hatte? Auch das ist noch immer unklar.

Wie mutierten die eindeutigen Schüsse zu Knallgeräuschen? Polizeisprecher Ehrenreich, der ebenfalls nach Stregda geeilt war, gab zu Protokoll:

Nach dem das Wohnmobil lichterloh brannte ging er davon aus, dass von dem Wohnmobil keine Gefahr mehr ausging. Reihenfolge: Schuss. Schuss. Rauchentwicklung. Es schlagen Flammen aus dem Dach. Alles im Zeitraum zwischen 5–10 Minuten. Man habe aber direkt nach der Schuss-Info Kräfte rausgeschickt, so der Zeuge.

Später habe er die Schüsse in Knallgeräusche formuliert, weil ja die Geräusche auch durch den Brand ausgelöst worden sein könnten. Bei der Begehung des Wohnmobils durch seine Kollegen wurden die Schussverletzungen an den Leichen bekannt, dadurch dann die Schlussfolgerung auf Schüsse. Das habe er jedoch dann nicht nochmal an die Presse gesteuert.

[…]

Frau Marx macht auf die wörtliche Verwendung von „Knallgeräuschen“ statt Schüssen in den weiteren Ermittlungen aufmerksam und auch dass ein 3. Schuss gehört worden sein soll. „In meiner eigenen Wahrnehmung haben für mich niemals drei Schüsse eine Rolle gespielt“, er selbst habe erst später davon erfahren, dass auch ein dritter Schuss im Raum gestanden haben soll.

Die Kritik der Feuerwehr, man habe sie ungeschützt einer erheblichen Gefährdungssituation ausgesetzt, wird nach Angabe des Amtsleiters Steffan im späteren Auswertungsgespräch dagegen ausgeräumt. Durch den Leiter der Polizeiinspektion Eisenach, Polizeirat Thomas Gubert.

Gubert behauptet im krassen Widerspruch zu den Aussagen der beiden Polizisten Mayer und Seeland apodiktisch, es habe keine Gefahr für die Feuerwehr bestanden. Und zwar zu einem Zeitpunkt, als Schüsse Teil der Suizidtheorie der Ermittler waren.5)

Der Zeuge Steffan berichtet von dem Auswertungsgespräch, „um das aufzuhellen und das endlich mal aus der Welt zu schaffen …“, um die Frage zu klären ob der Feuerwehreinsatz konform lief oder ob es Probleme gab – denn es sei das Schlechteste, wenn „nicht genannte Dinge dann herumwabern“. „Am Tisch gab es keine Probleme mehr.“

Der Eisenacher Polizeichef, Herr Gubert, hätte die Bedenken ausräumen können. Die Abg. König (DIE LINKE) möchte wissen, wie Herr Gubert denn begründet habe, dass keine Gefahrenlage vor Ort bestanden habe. Steffan: Er habe Gubert direkt gefragt: „Bestand eine Gefahr?“, weil beim Amtsleiter Steffan im Haus eine „Unruhe bestanden“ hätte.

Herr Gubert hätte entgegnet, im Falle einer bestehenden Gefahr, ließe die Polizei „doch niemals das Feuerwehrauto durchfahren“. Eine Gefährdung hätte nicht vorgelegen.

Thomas Gubert gehört dringend vor den Untersuchungsausschuss der Thüringer Parlamentarier, um eine Begründung für seine Gefahreneinschätzung zu erläutern. Ein „Alles gut“ reicht nicht mehr aus.

Es wird also mindestens eine fünfte Ausschussitzung notwendig werden, um endlich zum realen Kern des 4. Novembers 2011 vorzudringen. Zunächst aber warten wir auf die Aussagen der Sanitäter und Kriminaltechniker am kommenden Donnerstag.


Quellen/Nachweise:

1) https://querlaeufer.wordpress.com/2015/09/05/zeugin-gerichtsmedizinerin-frau-prof-dr-mall-im-pua-61-erfurt-27-8-2015-1-teil/

2) Bericht des Untersuchungsausschusses 5/1 „Rechtsterrorismus
und Behördenhandeln“, Band II, S. 1328f

3) http://haskala.de/2015/08/29/ua-61-protokoll-27-8-2015-2-thueringer-nsu-untersuchungsausschuss-abschleppen-wohnmobil-feuerwehr-rechtsmedizin/

4) https://haskala.de/2014/03/31/ticker-zum-nsu-untersuchungsausschuss-31-03-2014/#vierter

5) http://haskala.de/2015/08/29/ua-61-protokoll-27-8-2015-2-thueringer-nsu-untersuchungsausschuss-abschleppen-wohnmobil-feuerwehr-rechtsmedizin/

Die Rechtschreibung in den Zitaten wurde an einigen Stellen zurückhaltend korrigiert.

Rette sich, wer kann

Kommentator „Q“ ist ein aufmerksamer Beobachter. In den geleakten NSU-Aktenteilen hat er den vermissten Rettungsdienst vom Löscheinsatz in Stregda entdeckt. Es geht um unterlassene Hilfeleistung und Kenntnisse der Gefährdungslage. Der Blogger von Friedensblick.de hat die Sache untersucht.

rtw_stregda_tatort

Das über NSU-Leaks abrufbare Dokument „Band-4-1-2 Lage des Tatortes WoMo“ aus dem Aktenkonvolut zum NSU-Komplex enthält Luftaufnahmen vom Tatortbereich Stregda-Nord und einige Übersichtsaufnahmen vom Tatort. An die Luftbilder der Polizeihubschrauberstaffel schließen sich „Übersichtsaufnahmen vom Zufahrtsweg zum Wohnmobil“ an. Gefertigt wurden sie ausweislich der Dokumentation von der KPS Eisenach. Im Klartext: von KOK Lotz oder KHK Braun.

Die Aufnahmen entstanden zwischen ca. 12.10 Uhr und dem Eintreffen der Feuerwehr um ca. 12.20 Uhr. Der Beamte fotografierte den Tatort Am Schafrain aus östlicher Richtung und größerer Entfernung. Wir sehen die Rauchentwicklung, die KOK Lotz vom sicheren Tod der vermuteten Bankräuber im Inneren des Fahrzeuges ausgehen lässt. Auf einem einzigen Foto ist das Vorderteil eines Rettungsfahrzeuges zu sehen. Bei den späteren Luftaufnahmen vom Hubschrauber aus fehlt das Fahrzeug.

„Q“ kommentiert:

Der Rettungsdienst war vor Ort. Sogar noch vor der BF Eisenach. In Akte 4-1-2 “Lage des Tatorts” auf S.25 oben erkennt man in der Verlängerung des Gehwegs die Frontpartie eines RTW des DRK Eisenach. Interessanterweise wird dies in keinem Bericht auch nur erwähnt, und die Feuerwehrleute haben nichts davon mitbekommen, d.h. die RTW-Besatzung war wohl nie am Wohnmobil. Das wirft noch viel mehr Fragen auf. Vielleicht sollte der UA mal beim DRK Eisenach anfragen. Deren Story ist sicher noch besser als die der Feuerwehr.

https://parlograph.wordpress.com/2015/06/17/friendly-fire/comment-page-1/#comment-77

Friedensblick-Blog hat das kurze Auftauchen und den fraglichen Verbleib des Rettungsfahrzeuges analysiert. Die Streuung des Bloggers lässt angemessene Reaktionen der offiziellen NSU-Aufklärung erhoffen. Lesen!

Rettungssanitäter waren frühzeitig am NSU-Wohnmobil – warum kein Einsatz?

http://friedensblick.de/16841/rettungssanitaeter-waren-fruehzeitig-nsu-wohnmobil-kein-einsatz/

Update:

„Q“ stellt in einer Ergänzung außerdem mögliche Verstöße der Eisenacher Feuerwehr gegen wichtige Vorschriften beim Löscheinsatz sowie weitere Ungereimtheiten fest und bestätigt den Vorwurf unterlassener Rettungsversuche. Sein umfangreicher Kommentar wird hier ungekürzt veröffentlicht.

Es gibt wie angekündigt noch einiges nachzutragen zu den Bildern in Akte 4-1-2. Der gesamte Feuerwehreinsatz ist das Seltsamste, was ich je gesehen habe:

1) Der absolute Hammer: der Angriffstrupp (das sind die 2 Mann am Schnellangriffsschlauch) trägt KEINEN ATEMSCHUTZ. Das verstößt bei einem Fahrzeugbrand gegen alle Dienstvorschriften und Versicherungsvorschriften. Jede kleine Dorffeuerwehr weiß das, und hier haben wir die Berufsfeuerwehr (!) Eisenach. Nochmal: beim Alarmstichwort “Fahrzeugbrand” legt der AT auf dem 1. Fahrzeug IMMER bei der Anfahrt Atemschutz an. Fahrzeugbrände setzen extrem giftige Stoffe frei. In diesem konkreten Fall hatte dieses unerklärliche Verhalten tatsächlich keine schlimmen Konsequenzen, weil das so ziemlich der harmloseste mögliche Fahrzeugbrand war (das war eigentlich kein Fahrzeugbrand, sondern ein Zimmerbrand auf Rädern). Trotzdem: wäre die Feuerwehr nur 3-5 Minuten später gekommen, hätte der Brand auf den Motorraum / Tankbereich übergegriffen, und was hätte diese Truppe dann gemacht?

2) Der Ablauf nach dem Eintreffen der BF ist komplett unerklärlich. Erste Handlung des AT ist es, die Schnellangriffseinrichtung rauszuholen und durch das Fenster an der Sitzgruppe reinzuspritzen. Aufgabe der Feuerwehr ist aber: ERST retten, DANN löschen. Wenn ein Einsatzleiter direkt nach der Ankunft am Einsatzort bei der Erkundung einen Innenraumbrand in einem verschlossenen Wohnmobil feststellt, dann geht JEDE Feuerwehr davon aus, dass Personen im Wohnmobil sein könnten. Die erste Aufgabe für den AT: Zugang schaffen zum Wohnmobil (Tür öffnen, notfalls mit der Axt), auf Personen im Fahrzeug kontrollieren, ggf. retten. Dazu muss der AT natürlich Atemschutz tragen… (s.o.). Löschen kommt danach, das Wohnmobil ist sowieso Schrott.

3) Warum bleibt die BF mit den zwei wichtigsten Löschfahrzeugen Eisenachs (LF16 und TLF) und der kompletten Wachschicht bis zum Abtransport des Wohnmobils vor Ort, um “Brandwache” zu machen? Das ist Aufgabe der FF, für sowas sind die da, und die drei Leute und ihr LF aus Stregda reichen dafür völlig aus. Aber die wurden wieder weggeschickt?!? Und stattdessen lässt man lieber Eisenach 2-3 Stunden ohne hauptberuflichen Brandschutz?

Ehrlich: ich verstehe diesen Einsatz nicht. Entweder diese Feuerwehr ist komplett inkompetent (glaube ich nicht), oder dieser Einsatz war von der 1. Minute an (=Alarmierung, Anfahrt!) nicht normal. Die Fragen: “wer hat wann die Rettungskräfte alarmiert? Was hat der am Telefon gesagt? Mit welchem Alarmstichwort wurde die Feuerwehr losgeschickt?” sind zentral.

Update 2:

Auf NSU-leaks sind zwei weitere Fotodokumente veröffentlicht worden, die ein Rettungsfahrzeug am Einsatzort und einen Rettungssanitäter direkt am Wohnmobil zeigen.

eaz2

http://www.youtube.com/watch?v=QuGrMm3tUAs

womo-notarzt

http://www.youtube.com/watch?v=DQ154icfMXc

„Q“ kommentiert auf NSU-Leaks:

Noch ein Hinweis zum Rettungsdienst: von “Notarzt” habe ich noch nichts gesehen. In einem RTW fährt kein Arzt mit, sondern 2 Rettungssanitäter/-assistenten. Die haben auf der Jacke “Rettungsdienst” o.ä. stehen. Ein Notarzt hat immer “Notarzt” draufstehen. Wenn tatsächlich einer da war, dann muss es ein 2. Fahrzeug geben, ein NEF. Das ist meist ein PKW/Van. Ist deshalb relevant, weil “nur RTW, kein NEF” bedeutet, dass nicht mit schwer Verletzten gerechnet wurde (seitens der Leitstelle). Typisch wäre dies z.B. auch einfach zur Absicherung der Feuerwehr. Da kommt oft bei Bränden einfach ein RTW mit. Wenn auch nur der Verdacht auf “Brand mit Menschenleben in Gefahr” bestanden hätte, wäre definitv ein NEF gekommen.

Für den Einsatz in Stregda zuständig ist die Zentrale Leitstelle Wartburgkreis. Im gleichen Objekt befindet sich die Berufsfeuerwehr Eisenach. Nach § 14 des Thüringer Rettungsdienstgesetzes koordiniert die Zentrale Leitstelle den Rettungseinsatz.

Die Aufgaben des Rettungsdienstes beschreibt der Landesrettungsdienstplan für den Freistaat Thüringen (LRDP) unter Punkt 4.1

Das Leitstellenpersonal hat im Einzelnen folgende hauptsächliche Aufgaben (vgl. § 14 Abs. 2 ThürRettG):
  • Entgegennahme von Meldungen (insbesondere Notrufen),
  • Alarmierung der Rettungsdienst- und Feuerwehreinheiten, des Katastrophenschutzstabes sowie der Katastrophenschutzeinheiten, die örtlich und sachlich zuständig sind,
  • Unterstützung der Einsatzleitungen und Einsatzkräfte am Notfall- beziehungsweise Gefahren- oder Schadensort durch
  • Alarmierung und Heranführung von Einsatzkräften sowie durch Informationsbeschaffung,
  • Halten der Fernmeldeverbindung zu den eingesetzten Einheiten und Einrichtungen,
  • Halten der Fernmeldeverbindungen zu anderen Leitstellen, anderen Dienststellen, Organisationen und sonstigen Stellen,
  • Funküberwachung und
  • Dokumentation des Einsatzgeschehens.

Unter Punkt 7 werden die Grundsätze der Einsatzsteuerung formuliert, also die Kriterien nach denen über Art und Anzahl der Rettungsmittel und Einsatzkräfte entschieden wird und die den Einsatz eines Notarztes erfordern:

7.2 Indikationskatalog für den Notarzteinsatz
Die Dispositionsentscheidung zum Einsatz von Rettungsmit-
teln und zum Einsatz eines Notarztes erfolgt nach folgendem
Indikationskatalog für den Notarzteinsatz:
a) Patientenzustandsbezogene Indikationen Bei Verdacht auf fehlende oder deutlich beeinträchtigte Vitalfunktion ist der Notarzt einzusetzen […]
b) Notfallbezogene Indikationen:
  • schwerer Verkehrsunfall mit Hinweis auf Personenschaden,
  • Unfall mit Kindern,
  • Brände/Rauchgasentwicklung mit Hinweis auf Personenbeteiligung,
  • Explosions-, thermische oder chemische Unfälle, Stromunfälle mit Hinweis auf Personenbeteiligung,
  • Wasserunfälle, Ertrinkungsunfälle, Eiseinbruch,
  • Maschinenunfall mit Einklemmung,
  • Verschüttung,
  • drohender Suizid,
  • Sturz aus Höhe (> 3 m),
  • Schuss-/Stich-/Hiebverletzungen im Kopf-, Hals- oder Rumpfbereich,
  • Geiselnahme und sonstige Verbrechen mit unmittelbarer
  • Gefahr für Menschenleben,
  • unmittelbar einsetzende oder stattgefundene Geburt,
  • Vergiftungen.
Das ist der rechtliche Rahmen. Also. Welcher Notruf ging von wem bei der Leitstelle ein und wie wurde disponiert? Hat die Einsatzleitung der Polizei die Zentrale Leitstelle Wartburgkreis über die Gefahr für Menschenleben am Einsatzort informiert? Haben die Polizisten Seeland und Mayer die Rettungskräfte informiert? Welche Rettungsmaßnahmen unternahmen der oder die Rettungssanitäter? War ein Notarzt am Einsatzort, der den Tod der Fahrzeuginsassen feststellte? Welche Verletzungen hat er festgestellt, also bei der als Uwe Böhnhardt identifizierten Leiche Brust- oder Kopfschussverletzungen? Es bleibt viel zu klären.

 

Friendly Fire

Der NSU-PUA in Thüringen befragte Anfang Juni neun Feuerwehrleute, die am
4. November 2011 das brennende Wohnmobil in Eisenach-Stregda löschten.
Die Zeugen bestätigten einen schwerwiegenden Verdacht: Polizisten schickten Einsatzkräfte ungeschützt gegen mutmaßliche bewaffnete Bankräuber vor.
Dem Unwissen der Feuerwehr steht das Vorwissen der Polizei gegenüber.
Was heißt das für die Selbstenttarnung des NSU?

Unter allen NSU-Untersuchungsausschüssen nimmt der Thüringer eine Sonderstellung ein. Am Nationalsozialistischen Untergrund selbst wird auch in Erfurt nicht gezweifelt. Aber: Das Temperament der Thüringer Vollweiber, die dort das Sagen haben, hebt sich wohltuend ab vom schäbigen Aufklärungstheater der Simulanten in Stuttgart, Wiesbaden oder Düsseldorf.

Neben der Sozialdemokratin Marx treibt vor allem die Linke Katharina König den Ausschuss an. König ist es auch, die als Bloggerin eine kritische Öffentlichkeit mit PUA-Protokollen versorgt1). Das ist ihr hoch anzurechnen. Freilich hat auch diese Wahrheitsliebe Grenzen und Ziel: Der NSU ist rote Linie, Faustpfand und Allerheiligstes.

Ein verfestigter Irrtum hat den NSU unantastbar gemacht. Für den thüringischen Antifaschismus beweist er, wie das kapitalistische System Rechtsterroristen heranzüchtet und mit mörderischer Mission unters Volk schickt. Diese Vorstellung der Linken hat einen realen Kern. Der bürgerliche Staat organisierte und finanzierte im Osten Strukturen wie den THS und deckte kriminell gewordene V-Leute. Möglicherweise sogar die V-Zelle Böhnhardt, Mundlos, Zschäpe. Selbst für den durchschnittlichen Untertanen ein schwer erträglicher Gedanke. Verantwortlich für eine Strategie der Spannung ist aus dieser Perspektive vor allem der Verfassungsschutz.

Das Problem dabei: Mit dem NSU hat die Kollaboration von Diensten und extremistischen Subkulturen nichts zu tun. Im Gegenteil. Der NSU ist ein staatliches Integrationsangebot auch an Frau König und ihre Genossinnen. Ein Angebot sogar an jene Altlasten, die alle Umstrukturierungen der Thüringer Behörden überlebten und deren Antifaschismus einer DDR-Sozialisation entstammt. Ihnen gegenüber zeigt sich der fremd gebliebene Staat großzügig und entschlossen bei der gemeinsamen Jagd auf ein Phantom.

Für die Gegenöffentlichkeit ist das Vergebliche dieser Hatz Fluch und Segen: Je stärker der Jagdeifer unserer Artemis-Katharina in Thüringens Fluren wütet, desto mehr dürfen wir hoffen, dass sich der verwilderte Staat in den Fallstricken seiner Inszenierung verfängt, dass ihm die Jagdgesellschaft auf die Schliche kommt. Die Beute der Thüringer Landesherrlichkeit musste er bereits der Linken lassen. Aus staatlicher Sicht ein hoher Preis für heimliche Komplizenschaft.

„Es war alles ein bisschen komisch“

Neun Feuerwehrleute also, die am 4. November 2011 das brennende NSU-Fluchtfahrzeug löschten, werden Anfang Juni 2015 vor dem zweiten NSU-Untersuchungsausschuss in Erfurt befragt. Was die Einsatzkräfte schildern, wird brisant im Kontext weiterer Behördenberichte, Zeugenaussagen und PUA-Protokolle. Den bodenständigen Feuerwehrleuten ist dabei eher zu trauen als aktengebrieften Politikern, V-Mann-Führern und Polizisten. Obwohl auch die Brandbekämpfer als loyale Beamte und Einheimische bei ihren Aussagen taktieren, weil sie Fallen oder Ärger wittern und echte oder vorgeschobene Erinnerungslücken haben. In ihren Bewertungen des Löscheinsatzes halten sie sich spürbar zurück, versuchen eigene Wut und Kritik sarkastisch abzumildern.

Den vermutlich authentischsten Bericht zu den Vorgängen in Eisenach und Stregda hat Kriminaloberkommissar Michael Lotz von der Eisenacher Kriminalpolizeistation verfasst.2) An ihm lassen sich die Angaben der Feuerwehrleute chronologisch sinnvoll einordnen. Darum muss es gehen. Nicht, dass der Bericht des KOK Lotz der Wahrheit notwendigerweise am nächsten kommt, denn er datiert vom Februar 2012, also mehr als einem viertel Jahr nach dem Wohnmobilbrand. Zeit genug, um Widersprüche zu glätten, Darstellungen zu synchronisieren, eigenes Handeln an das spätere NSU-Narrativ anzupassen. Dennoch lässt sich noch immer eine Grundstruktur im Bericht erkennen; bleiben Brüche unbearbeitet, enthält er viele glaubwürdige und durch die Feuerwehr bestätigte Details.

Sein eigentlicher Wert aber besteht in der Autorenschaft eines der wichtigsten Akteure an diesem 4. November in Stregda. Jedenfalls bis zum Eintreffen des Gothaer Polizeidirektors, Menzel, am Tatort. Aber KOK Lotz ist es auch, der am 5. November nach Niedersachsen fliegt, um eine der Schlüsselfiguren der NSU-Erzählung zu vernehmen: Holger Gerlach. Lotz wird in München aussagen. Für den Fortgang des NSU-Projektes ist er mindestens so wichtig wie Einsatzleiter Menzel, auf den sich die Medien konzentrieren. Und Michael Lotz kann nicht in Deckung gehen, wie die Polizisten Seeland und Mayer. Sein Bericht zeugt für ihn, für uns macht ihn das verbindlich.

Vorgewusst oder vorgeahnt?

Am 4. 11., dem Tag der Selbstenttarnung, wird KOK Lotz um 9.25 Uhr von seinem Vorgesetzten, KHK Mayer, über den Raubüberfall auf die Wartburgsparkasse am Eisenacher Nordplatz informiert. Damit beginnt der Einsatz des Kriminalisten. Mit vier weiteren Kollegen macht er sich auf den Weg zur überfallenen Sparkasse, um die Tat aufzunehmen, Spuren zu sichern, Zeugen zu befragen. Eine Stunde später, gegen 10.20 Uhr, erhält Lotz einen wichtigen Anruf seines Gothaer Kollegen KOK Mario Wötzel. Wötzel ist ebenfalls Bearbeiter eines Sparkassenüberfalls, der allerdings bereits zwei Monate zuvor, am 7. September, in Arnstadt stattfand.

Zu diesem Anruf kommt es aufgrund einer Serienraubthese. Der Eisenacher Überfall wird erwartet. Man kommt schnell überein, dass es sich um die gleiche Tätergruppe handeln müsse. Masken, Modus Operandi, Bewaffnung sollen das belegen. Lotz spricht von Offenkundigkeit.

Die Fixierung der Thüringer Polizei auf eine zu erwartende Wiederholungstat, die genau so eintrifft, ist bemerkenswert. Sie basiert auf einem angeblichen Misserfolg des Bankraubes in Arnstadt, bei dem zwei als etwa zwanzigjährig beschriebene Täter 15.000 Euro erbeutet hatten. Statistisch gesehen war dieser Überfall jedoch ein ziemlicher Erfolg.

An das große Geld kommt kaum einer der Täter heran“, erklärt Staatsanwältin Daniela Tausend. Die meisten Bankräuber erbeuteten Summen zwischen 2000 und 3000 Euro.
Der Grund ist simpel: Banken und Sparkassen lassen sich immer ausgebufftere Sicherungssysteme einfallen. Kassierer verfügen nur mehr über geringe Bargeldbeträge. Höhere Summen liegen in Safes mit speziell gesicherten Zeitschlössern. Oft gelingt es dem Personal ein Security-Pack unter die Beute zu schmuggeln – ein Mini-Sprengsatz, der Farbe verspritzt. Die Scheine sind damit sogleich wertlos, und der Täter ist auf der Flucht sofort zu erkennen.“ 3)

Die Anzahl der Banküberfälle ist aus gutem Grund seit Jahren stark rückläufig.4) Die Aufklärungsquote liegt bei rund 80 Prozent. Die im Vorfeld des 4. November entstehende Vermutung der Thüringer und sächsischen Beamten Wötzel, Leucht und Merten, die Bankräuber von Arnstadt würden erneut zuschlagen, hat mit Bezug auf die Beute also keine Grundlage. KOK Jens Merten, einer der drei Beamten, die an der These einer wiederaufgenommenen Raubserie und Prognose einer Wiederholungstat wegen Misserfolgs basteln, kennt nicht einmal die Höhe der Arnstädter Beute. Im Berliner NSU-PUA nimmt er 300 bis 500 Euro an.5)

Wie sich später zeigt, haben die Bankräuber ohnehin keine Geldsorgen. Sie führen – vermutlich einmalig in der Kriminalgeschichte – reichlich Bares im Fluchtfahrzeug mit, wohl, um den Ermittlern die spätere Beweissicherung leichter zu machen. Darunter auch die Beute des Arnstädter Überfalls.

Wötzels früher Anruf bei seinem Kollegen Lotz und die schnelle Festlegung auf die gleiche Tätergruppe von Arnstadt und Eisenach haben eine wichtige Konsequenz. Eine weitere Prognose der länderübergreifenden Ideenwerkstatt rückt in den Fokus: Die Bankräuber, so die These, werden ihre Flucht mit einem Transportfahrzeug fortsetzen, in dem sie ihre Fahrräder verstauen. Nach diesem größeren Fahrzeug ist nun zu fahnden.

Der Zufall will es, dass KOK Lotz kurz darauf der Zeugenhinweis auf ein weißes Wohnmobil erreicht. Der Rentner Stutzke hat beobachtet, wie zwei Radfahrer ihre Räder in ein Wohnmobil mit V-Kennzeichen laden und zügig wegfahren. 11.15 Uhr werden mehrere Beamte zur Verladestelle geschickt, ab 11.40 Uhr soll ein Spürhund die Spurensicherung unterstützen. Allerdings ohne greifbare Ergebnisse. Aber KOK Lotz hat Glück. Gegen 12.00 Uhr wird er informiert, dass ein weißes Wohnmobil mit V-Kennzeichen in Stregda steht. Das passt zeitlich perfekt, denn die Tatortermittlungen sind eben abgeschlossen. Lotz weist zwei Begleiter an, Schutzwesten überzuziehen und fährt mit ihnen zur Wohnsiedlung. Dort trifft er 12.10 Uhr ein und bewegt sich zu Fuß zum stark qualmenden Wohnmobil. Die Selbstenttarnung des NSU hat bereits begonnen.

Verrußte Scheiben am Führerhaus

Qualm und Ruß lassen KOK Lotz bereits auf Sichtweite zur festen Überzeugung gelangen, dass alle Fahrzeuginsassen, über deren Anzahl und Ausrüstung er zu diesem Zeitpunkt nichts weiß, handlungsunfähig oder bereits tot sein müssen. Strenggenommen gibt es nicht einmal Sicherheit, dass sich überhaupt Personen im Fahrzeug aufhalten. Die Polizisten Seeland und Mayer hatten niemanden gesehen, sondern Knallgeräusche gehört, die sie als Schüsse identifizierten. Auch das Wohnmobil, das Rentner Stutzke beobachtet haben will, wird lediglich am V-Kennzeichen erkannt.

Der Unterzeichner begab sich zu Fuß in Richtung des Wohnmobiles. Es war zu erkennen, dass bereits erheblich Rauch aus dem Inneren drang und die Scheiben des Führerhauses dick mit Rußniederschlag von innen bedeckt waren.

Da dem Unterzeichner klar war, dass unter diesen Umständen niemand mehr im Wohnmobil handlungsfähig sein kann und mit hoher Sicherheit schon allein wegen der Rauchgasintoxikation im Sterben ist bzw. schon verstorben ist, näherte sich der Unterzeichner dem Wohnmobil aus südöstlicher Richtung an. Die Gesamte Zeit vom Eintreffen bis dahin war keine Person an dem Wohnmobil.“ 6)

Die schon zu diesem frühen Zeitpunkt getroffene Einschätzung des Kriminalisten Lotz, lebensrettende Sofortmaßnahmen seien nicht mehr nötig, wird während des gesamten Einsatzes nicht in Frage gestellt. Erstaunlich. Lotz vermittelt den Eindruck völliger Gewissheit, obwohl der Innenraum des Wohnmobils für ihn nicht einsehbar ist. Einsatzleiter Michael Menzel hatte im Münchner NSU-Prozess noch auf mögliche Geiseln in der Gewalt der vermuteten Bankräuber hingewiesen. KOK Lotz hält sich mit solchen Spekulationen nicht auf.

Die Kollegen hätten Verstärkung gerufen und dann sei es zum Brand gekommen. Die Feuerwehr sei verständigt worden. „Das war 12.05, 12.06 Uhr.“ Das habe auch ihn veranlasst, von Gotha nach Eisenach zu verlegen: „Ich musste annehmen, dass das Fahrzeug in unmittelbarem Tatzusammenhang steht und die Täter sich im Fahrzeug befinden“. Es habe sich auch die Frage nach der Gefahr einer Geiselnahme gestellt, „da hat in Thüringen der höhere Dienst die Maßnahmen zu übernehmen”. Als er eingetroffen sei, sei der Brand schon weitgehend abgelöscht gewesen.“7)

Menzels hauseigener Sachstandsbericht mit Datum vom 5. November 2011 an den Meininger Staatsanwalt Klüpfel fasst die Gefährdungslage so zusammen:8)

„Als sich die Polizeibeamten in Uniform dem Fahrzeug näherten, nahmen sie zwei Knallgeräusche war, die kurz hintereinander erfolgten. Daraufhin zogen sich die Beamten aus Eigensicherungsgründen zunächst zurück und evakuierten unbeteiligte Personen aus dem direkten Umfeld des parkenden Wohnmobils.

Durch die Polizeidirektion Gotha war nach Bekanntwerden dieser Umstände sofort ein Führungsstab unter der Leitung von Kriminaldirektor Menzel, Leiter der Polizeidirektion Gotha, gebildet. KD Menzel übernahm die Führung vor Ort. Das SEK des Thüringer Landeskriminalamtes wurden angefordert und weitere Kräfte am nunmehr neuen Tatobjekt zusammengezogen.“

In Kenntnis eines vorangegangenen möglichen Schusswaffengebrauches, ordnet KOK Lotz zwar seinen Kollegen gegenüber das Anlegen von Schutzwesten an, die eintreffende Feuerwehr jedoch warnt er nicht. Auch die Polizisten Seeland und Mayer, die eben noch wegen der gehörten Schüsse in Deckung gegangen waren und angeblich unbeteiligte Personen aus dem Wohnmobilumfeld evakuierten, lassen den Einsatzzug der ahnungslosen Feuerwehrleute in unmittelbarer Nähe des brennenden Wohnmobils halt machen.

Die Feuerwehr fuhr gerade mit Sondersignal in das Wohngebiet ein, als das Dachfenster des Wohnmobils nach innen stürzte. Dadurch schlugen dann die Flammen nach oben aus dem Wohnmobil. Die Feuerwehr fuhr direkt neben das Wohnmobil. Der Unterzeichner forderte die Feuerwehrleute auf, nur vorsichtig zu löschen, da möglicherweise Tote sich im Inneren befinden und die dortige Spurenlage möglichst erhalten bleiben soll. In diesem Sinne löschte die Feuerwehr vorsichtig. Ca. zwei Minuten später war der Brand gelöscht. Die Feuerwehrleute fragten den Unterzeichner, ob die Tür des Wohnmobils geöffnet werden kann, um weiter löschen zu können. Die Tür wurde unter Zuhilfenahme von Hebelwerkzeugen aufgehebelt.“

Retten, Löschen, bergen, schützen

Diese schweren Fahrlässigkeiten, dass die eintreffende Feuerwehr weder über eine erhöhte Gefährdung informiert wird, während gleichzeitig ein SEK unterwegs ist, noch dass lebensrettenden Maßnahmen eingeleitet werden, bleiben bis heute unaufgeklärt. Die Feuerwehrleute haben nun in Erfurt gleich mehrfach bestätigt: Eine Eigensicherung der Brandbekämpfer wird nicht veranlasst, die Rettung von Menschenleben aus dem brennenden Fahrzeug ist nicht vorgesehen. Einzige Sorge der Polizei ist ein spurenschonendes Vorgehen beim Löschen. Die spätere Kritik an der Einsatzleitung der Polizei wird gegenüber der Feuerwehr zurückgewiesen:9)

[…] man habe nur mit dem Eisenacher Polizeichef Herrn Gubert gesprochen. Es ging da im Kern um die Kritik, dass man nicht rechtzeitig als Feuerwehr darüber informiert war, dass im zu löschenden Fahrzeug geschossen wurde. Aus Feuerwehr-Sicht habe man dargestellt, „dass wir quasi in Gefahr waren, beschossen zu werden“. Herr Gubert hat dann den Einsatz erklärt und dementiert, dass eine solche Gefahr bestanden habe. Zum Eintreffen der Feuerwehr „hätte angeblich keine Gefahr mehr bestanden“.

Zwischen dem Eintreffen des Kriminalbeamten Lotz und der Feuerwehr liegen gerade zehn Minuten Rauch- und Brandentwicklung im Wohnmobil. Der erste große Löschangriff dauert zwei Minuten. Das Eintreffen eines Rettungsdienstes wird nicht erwähnt, nur einer der Feuerwehrleute kann sich überhaupt an die Anwesenheit medizinischen Personals erinnern, während andere angeben, keine Sanitäter gesehen zu haben. Der Versuch einer Kontaktaufnahme der Einsatzkräfte mit den Fahrzeuginsassen findet zu keinem Zeitpunkt statt. Die mögliche Verwendung von Atemschutzgeräten durch die mutmaßlichen Bankräuber scheint prinzipiell ausgeschlossen.

Der Unterzeichner nahm von außen durch die geöffnete Tür Einsicht in das Wohnmobil. Im Gang vorn wurde eine leblose männliche Person auf dem Bauch liegend festgestellt und im hinteren Bereich des Ganges war eine weitere leblose männliche Person im zusammengesunkener Lage zu erkennen, Der Schädel dieser Person war offenbar durch Schusseinwirkung erheblich verletzt.“

Nach dem Löschen nimmt Michael Lotz von der geöffneten Tür aus Einsicht ins Fahrzeuginnere. Die bewusstlose Person, die unmittelbar vor ihm liegt und bei der erhebliche Verletzungen durch Schusseinwirkung dann wohl eher nicht zu erkennen sind, kümmert ihn nicht. Für KOK Lotz ist sie leblos, also tot. Lotz findet bestätigt, was er sich bereits beim Eintreffen am Wohnmobil gedacht hatte. Bergungs- oder Wiederbelebungsversuche sind unnötig, es geht ihm nur noch um Spurensicherung.

Was der Beamte ignoriert: Bewusstlosigkeit gehört zu den Symptomen einer Rauchgasvergiftung. „Ein Turnschuh mit Bein“, wie es Gerd Lindenlaub von der FFW Stregda beschreibt, reicht nicht, den Tod der Fahrzeuginsassen festzustellen und Hilfeleistungen zu unterlassen. Anzeichen und Rettungsmaßnahmen bei Rauchgasinhalation sind auch in Thüringen bekannt.10) Im Münchner NSU-Prozess bestätigt Menzel, dass der Tod der später als Uwe Böhnhardt identifizierten Person zum Zeitpunkt der Erstbegehung des Tatortes nicht sicher war: 11)

RA Klemke will wissen, wann zum ersten Mal festgestellt worden sei, dass sich verstorbene Personen im Wohnmobil befinden. Mit seinem Eintreffen habe ihm der Polizeiführer vor Ort gesagt, dass die Feuerwehr rein geschaut habe, so Menzel. Der Brand sei wohl 12.06 Uhr gemeldet worden, die Ablöschung habe gegen 12.20 Uhr stattgefunden. Es müsse zwischen 12.20 Uhr und 12.40 Uhr gewesen sein. Die Feuerwehr habe mitgeteilt, dass sie hinein gegangen sei, um von innen zu löschen. Eine Person sei tot festgestellt, bei dem zweiten hätten sie es nicht so genau gewusst. Er denke, so Menzel auf RA Klemkes Frage, dass er die Rechtsmedizin kurz nach seinem Eintreffen angefordert habe, so gegen 13 Uhr. Das sei eine kriminalpolizeiliche Standardmaßnahme. Die Rechtsmedizin sei vor dem Abtransport vor Ort gewesen. Wann die Rechtsmedizin da gewesen sei, könne er nicht mit Sicherheit sagen, wohl um 14 Uhr herum. Klemke hält vor, Kriminaloberkommissar Lo. habe vermerkt, die Rechtsmedizin sei um 13.12 Uhr eingetroffen. Das könne sein, so Menzel.“

Wer den Tod vor allem der Person im Eingangsbereich feststellt, wenn schon niemand helfen will, bleibt unklar. Nach einem Vermerk der BKA-BAO Trio12) brauchte die Feuerwehr für drei Kilometer Anfahrt sogar nur fünf bis zehn Minuten. Theoretisch wäre es möglich, dass sich nach Ablöschung gegen 12.15 Uhr bis zum Eintreffen der Rechtsmedizin um 13.12 Uhr fast eine Stunde lang niemand um den Bewusstlosen kümmert.

Als KOK Lotz unter dem Wohnmobiltisch ein rot leuchtendes, unbekanntes Gerät entdeckt, veranlasst er die Räumung des Fahrzeugnahbereiches. So schreibt er es in seinen Bericht. Eine nachvollziehbare Entscheidung. Die ungewöhnliche Tötung der Fahrzeuginsassen durch Nahschüsse mit großkalibrigen Waffen und das Inbrandsetzen des Wohnmobils lassen weitere Überraschungen möglich erscheinen.

Allerdings bestätigt diese Räumung keiner der Feuerwehrleute. Im Gegenteil. Ihr Einsatzleiter Nennstiel betritt selbst das Fahrzeug, um Fotoaufnahmen des Innenraums zu machen. Nach eigener Aussage erscheint Lotz die Gefahr einer Sprengfalle gleichzeitig groß genug, den Sprengdienst zu rufen. Später wird Menzel auch diese Gefährdungslage ignorieren und das Ladegerät selbst abklemmen.

Auf dem Rücken der zuerst genannten Person waren die Reste des Dachfensters zu sehen. Daneben befand sich ein Tisch, auf welchem im Brandschutt eine Pistole zu erkennen war, vom groben Aussehen glich sie der Heckler & Koch-Dienstwaffe des Unterzeichners. Unter dem Tisch befand sich ein nicht näher erkennbares Gerät, an dem ein rotes Licht leuchtet. wie eine Leuchtdiode. Es war zu erkennen, dass dort Kabel angeschlossen waren. Inwieweit es sich um einen Sprengsatz oder ein harmloses Gerät handelt, konnte so zunächst nicht geklärt werden. Alle Einsatzkräfte sollten sich zunächst aus Gründen der Eigensicherung von dem Wohnmobil weg begeben […]

Um nichts unnötig am Brandort bzw. Leichenfundort zu verändern, beließ der Unterzeichner den Ort so, um geeignete Kräfte für die weitere Bearbeitung heranzuziehen. Aus diesem Grunde wurde mit dem nun vor Ort befindlichen Leiter der PI Eisenach, Herrn PR Gubert, Rücksprache gehalten. Diesem wurden die ersten Feststellungen des Unterzeichner mitgeteilt und auch, dass der Unterzeichner die Tatortgruppe des TLKA, die Abteilung USBV, weitere Verstärkung vom Kommissariat I aus Gotha sowie die Rechtsmedizin, welche sowieso wegen einer Sektion gerade in Eisenach ist, heranziehen möchte. […]

In der Folge trafen weitere Polizeikräfte vor Ort ein, insbesondere der Leiter der Polizeidirektion Gotha, Herr PD Menzel. Nach entsprechender Lagebesprechung statteten sich Herr PD Menzel und der Unterzeichner entsprechend aus, um das Wohnmobil zu betreten. Das war gegen 12:45 Uhr. Eine Gummimatte wurde über den Boden des Einstiegbereiches des Wohnmobiles innen gelegt, um dieses Spuren schonend betreten zu können. Durch den Unterzeichner wurden dabei erste Fotos von der vorgefundenen Situation gemacht. Die Einnahme von Augenschein durch Herrn PD Menzel und den Unterzeichner hatte primär zum Ziel, zumindest im Überblick festzustellen, ob für die Schussabgaben im Wohnmobil oder auch sonst im Zusammenhang mit dem Sachverhalt noch eine dritte Person in Betracht kommt und ob im Wohnmobil jeder sich selbst getötet hat oder einer den anderen und dann sich selbst.

Der Held von Eisenach

Auch nachdem Polizeidirektor Menzel den Tatort übernimmt, reißen die Merkwürdigkeiten nicht ab. Es kommt zu einer bizarren Auseinandersetzung zwischen Feuerwehr und Polizei, die sich über eine Stunde hinzieht. Streitobjekt ist Einsatzleiter Nennstiels Fotoapparat. Der Feuerwehrmann hatte für die Einsatzdokumentation Aufnahmen des Fahrzeuginneren gemacht. Kriminaldirektor Menzel fordert die Herausgabe der Kamera. Die erhält der Feuerwehrmann später zurück, die Speicherkarte samt Fotos verbleibt bei der Polizei. Wochen später bekommt Nennstiel auch die Speicherkarte wieder, die Fotos sind gelöscht. Auch das kommt im Untersuchungsausschuss auf den Tisch. Die Frage Katharina Königs, ob schon mal eine Kamera beschlagnahmt worden sei, verneint Nennstiel. Er sei der erste, dem das passierte.

Für diese Konfiszierung gibt es nur zwei mögliche Erklärungen. Ermittlungstaktische Erwägungen überzeugen allerdings kaum. Menzel hatte sich schnell die Suizidtheorie zu eigen gemacht. Die Ermittlungen zur Fremdbeteiligung bei den Tötungen sind damit praktisch bereits eingestellt. Weitere Tatbeteiligte am Banküberfall werden nicht gesucht. Der berühmt gewordene dritte Mann scheidet frühzeitig aus den Überlegungen aus. Eine Fahndung wird nicht herausgegeben.

Wollte man also freie Hand, um den Tatort später nach Belieben verändern zu können? War dieses Vorgehen, Fotoaufnahmen der Feuerwehr vom Brandort zu verhindern eine eigenständige Entscheidung Menzels oder Vorgabe übergeordneter Stellen? Feuerwehrmann Nennstiel jedenfalls kann sich nicht erinnern, Waffen gesehen zu haben.13)

„Die Vors. Abg. Marx (SPD) fragt weiter zu den Fotos in der Küchenecke, ob er auch Waffen gesehen habe als er drin war. „Ne, ich habe nix gesehen von Waffen. War mir auch nicht bewusst.“ Die Vors. Abg. Marx (SPD) macht darauf aufmerksam, dass seitens eines Polizisten ja eine Pistole im Brandschutt [auf dem Tisch] gesehen worden sein soll. Der Zeuge kann dazu nichts sagen. Und auf dem Boden? „Ich will ’s jetzt nicht beschwören, aber ich bin der Meinung, irgendwas lag neben so einem, im vorderen Bereich jedenfalls nicht“. Herr Nennstiel: „Das habe ich fotografiert“. Frau Marx: „Die [Fotos, die] wir jetzt nicht mehr haben“.

KOK Lotz hatte selbst auch fotografiert, seine Aufnahmen fehlen ebenso in den geleakten NSU-Akten.14)

Wie sein Kollege Lotz hat Michael Menzel zumindest beim Timing am Tatort das Glück des Tüchtigen. Mit dem frühen Eintreffen der Rechtsmediziner Mall und Heiderstädt gleich zweifach. Die geschmeidigen Expertisen der Jenaer Obduzenten haben inzwischen einen bundesweiten Ruf erlangt.15) Dass Professorin Mall und Dr. Heiderstädt so schnell in Stregda sein können, verdankt die Polizei dem interessanten Zufall, dass die beiden an diesem Tag in Eisenach obduzieren und ihre Arbeit offenbar beendet ist.

Eine Anreise aus dem Institut in Jena dagegen dauert via Autobahn über eine Stunde, Freitagmittag vermutlich eher länger. Um gegen 13.15 Uhr am Tatort zu sein, hätte man die Rechtsmediziner schon 12 Uhr über einen Leichenfund informieren müssen. Das wäre ein Husarenstück wie Menzels Beiziehung der Vermisstenakte Mundlos gewesen. Aber Kommissar Zufall wählte diesmal den kurzen Dienstweg.

Die Einsatzleitung liegt gut in der Zeit. Die Tatortgruppe des LKA ist eingetroffen. Verpackung und Abtransport des Tatortes Wohnmobil können endlich in Angriff genommen werden. Auch dabei helfen die Feuerwehrleute trotz erheblicher brandschutztechnischer Bedenken. Aber alles geht gut. Und erneut trifft den Polizeidirektor ein günstiges Geschick. Ein örtlicher Abschleppdienst, die Firma Tautz, stellt der Polizei kurzfristig nicht nur Abdeckplanen und Dienstleistung zur Verfügung, sondern auch die eigene Halle zur Unterbringung des mobilen Tatorts. Dass professionelle Brandnachsorge im Wohnmobil durch die Polizei mit Verweis auf die Spurensicherung verhindert wird, dass sich im Wohnmobil Leichen mit schwersten Verletzungen befinden, Waffen und Munition gefunden werden und das TLKA die Halle mit Beschlag belegt, all das scheint für Tautzens kein Problem zu sein.

Es fällt im PUA eine interessante Zeitangabe. Gegen 15 Uhr trifft Feuerwehrmann Jens Claus vom A-Dienst in Stregda ein. Da ist das Wohnmobil bereits abfahrtfertig eingepackt. Claus begleitet die Überführung des Fahrzeuges ins Firmengelände der Firma Tautz. Nach der Einweisung von Wärmemesstechnik und Übergabeprotokell ist für ihn der Einsatz gegen 16.30 Uhr beendet.

Auch wenn KOK Lotz in seinem Bericht einen Zeitstempel vermeidet, als sich die Beamten seines Kommissariats vom Acker machen, kann man grob schätzen: Spätestens 16 Uhr, vier Stunden nach den Knallgeräuschen am Schafrain, ist der Spuk in der idyllischen Wohnsiedlung vorbei, als wäre nie etwas gewesen.

Der Dank des Vaterlandes

Das Unwirkliche, das Groteske der NSU-Selbstenttarnung wird polizeilich abgeschirmt in der Halle eines Abschleppdienstes fortgesetzt, verborgen vor den Augen der Öffentlichkeit. Der NSU kehrt nach seinem Kontakt mit der Realität zurück ins Virtuelle, in die Betreuung durch Kriminalpolizei, Anwaltschaft und Politik. Wie der mobile Tatort in Stregda wird später auch das abgebrannte Terrornest in Zwickau spurlos verschwinden.

Das Unbehagen der Feuerwehrleute im Erfurter PUA, der Ablauf des Einsatzes, Missachtung der Gefährdungslage und frühe Gewissheit der toten Bankräuber – das alles verstärkt und begründet den Verdacht einer Inszenierung. Harte Beweise sind es nicht. Den offiziellen Rahmen eines Vorwissens setzt allein schon die Vorfeldthese der Bankraubserie. Die beschlagnahmte Speicherkarte Nennstiels bleibt ein weiteres starkes Indiz für eine gelenkte Aufklärung und vermutete Tatortmanipulation. Michael Menzel ist nach wie vor ein Protagonist des 4. November. Aber welcher Art sein Vorwissen ist, bleibt vorerst weiter ungeklärt.

In der Rezeption der alternativen NSU-Aufklärung erscheint der Einsatzleiter überwiegend als Aufschneider, als Lügner oder Vertuscher, als einer, der die Intention der NSU-Planer nicht verstanden hat. Seine Stellung als Einsatzleiter der Polizeimaßnahmen in Eisenach ist herausgehoben. Er kann Tatort- und Ermittlungsmaßnahmen steuern. Das tut er auf vielfältige Weise. Als er Frank Nennstiel die Kamera abnimmt, da scheint er ganz Mitwisser zu sein, Vorbereiter und Helfer der später Agierenden von LKA und BKA. Weiß er auch, wer da im Wohnmobil liegt?

Rätselhaft bleibt bis heute das Drama um die Vermisstenakte. Warum tappt Menzel in die chronologische Falle? Ist er unfähig, die Konsequenzen seiner Aussagen zu überblicken? Oder versucht er, eine Verbindung herzustellen, aus seinem Vorwissen und dem, was nachträglich entsteht, einen Kompromiss zu finden zwischen abweichenden Berichten und Aktenlagen?

Es ist viel über seinen Anruf bei Ex-Verfassungsschützer Norbert Wießner spekuliert worden. Wießner selbst korrigierte den Anruf weg vom 4. November. Im Berliner PUA ist es nicht Wießner, der einen nachprüfbaren Hinweis auf die Identifizierung gibt, sondern der FDP-Mann Patrick Kurth. Der verweist während der Befragung des Thüringer Ex-Verfassungsschützers auf ihm vorliegende Akten. Akten, die möglicherweise auch Kenntnisstand Menzels sind:16)

Ich will nur noch mal sagen, damit das abgeschlossen ist an der Stelle: Am 04.11. war maximal eine Person bekannt, wenn überhaupt, zweifelsfrei überhaupt erst am 05.11. Eingeliefert wurden zwei unbekannte männliche Personen. In den Akten, die wir hier zur Verfügung haben, legt sich niemand auf den Namen fest. „Mutmaßlich“ heißt es an der Stelle bei einer Person, und das auch erst um 16, 17 Uhr, also relativ später am Tag.

Da ist es wieder, dieses „mutmaßlich“. Hat Michael Menzel versucht, die Wahrheit zu sagen, als er vom Brainstorming erzählt, in dessen Verlauf man auf Mundlos gekommen sei? Zog er sein Vorwissen auf dieses angebliche Brainstorming zusammen? Bekam er Hinweise auf die Verwicklung des Jenaer Bombenbastlertrios in den Banküberfall von Arnstadt bereits im Vorfeld von interessierter Seite konspirativ zugespielt?

Steckte man Menzel außerhalb dienstlicher Strukturen, dass „da noch ein größeres Ding im Hintergrund läuft“, in Richtung Rechtsterrorismus oder Polizistenmord, dass das Trio – Du erinnerst dich an die Drei? – noch mehr „Dreck am Stecken“ hat und man von einer geheimdienstlichen Quelle in ihrem Umfeld weiß: In den Knast gehen die auf keinen Fall. Dass sie einen gemeinschaftlichen Suizid planen, wenn der nächste Bankraub schiefgeht. Ist das denkbar?

Wenn wabernde Gerüchte und Spekulationen eine politische Aura erzeugten, dann war klar, dass der zu erwartende Bankraub weite Kreise ziehen würde, aber ebenso unklar blieb dann auch, was genau wer vom Einsatzleiter Menzel erwartete.

Diese Unsicherheit und die Absicht, doch alles richtig zu machen, der Ehrgeiz alles aufzuklären, macht das Phänomen Menzel aus. Ihm fehlen Maß und Gespür für staatliches Wollen in heikler Situation, das scheinbar launenhaft bremst und forciert und immer auch nach Alternativen sucht. Ist Menzels übermotiviertes Vorgehen als Leiter der Soko Capron, sein Auftrag an Wunderlich, Beate Zschäpe ausfindig zu machen oder das Abklemmen seiner Ermittlungen vom Polizeinetz bereits am Nachmittag des 4. Novembers, Hinweis auf ein Misstrauen? Befürchtet er, dass der fremde Staat, in den er hineingeraten ist, die Neonazis decken und den Hintergrund des 4.11. verschleiern würde? Wurde Menzels Antifaschismus andererseits gerade deshalb in gleicher Weise genutzt, wie später bei Katharina König und anderen – zur Einbindung in das NSU-Projekt?

Thüringen ist in den Nachwendejahren ein Schlachtfeld schwerster Grabenkämpfe zwischen Ost und West, DDR-Mentalität und freiheitlicher Selbstherrlichkeit, Opfern von Umstrukturierungen und Karrieristen. Auch Rechtsextremismus und Kriminalität erscheinen aus einheimischer Perspektive als hereingetragen oder Folge einer verfehlten Transformation. All das werden „Ehemalige“ vorzugsweise dem fremden Staat anlasten. Zumindest heimlich. Finden sich da also die Gründe für Menzels forschen Aktionismus?

Als er noch der Held von Eisenach ist, bezieht er Stellung und deutet behördliches Versagen beim Umgang mit Rechtsextremen an. Da ist Michael Menzel bei Katharina König und dem NSU.17)

Dass die Polizei Fehler machen könnte, räumt Menzel offenherzig ein, nicht aber in diesem Fall: „Von der polizeilichen Seite haben wir bewiesen, dass wir nicht mit Rechtsextremen unter einer Decke stecken. Das wird auch in Zukunft so sein.“

Für ein Spannungsverhältnis zwischen Verwaltungsbehörden und Polizeidirektor Menzel spricht: Sein Einsatz für die Aufklärung des 4. Novembers wird zunächst nicht belohnt. Er wird im Zusammenhang mit der Soko Capron disziplinarisch belangt, eine Bewerbung nach Erfurt wird abgelehnt. Nach dem jüngsten Regierungswechsel in Thüringen ereilt Michael Menzel dann doch noch der Dank des Vaterlandes. Kürzlich wechselte er von der Saalfelder Landespolizeiinspektion als Referatsleiter ins Innenministerium.18)

 

Fußnoten:

1) http://haskala.de/2015/06/05/protokoll-des-2-thueringer-nsu-untersuchungsausschuss-erste-sitzung-mit-zeugenbefragung-4-6-2015-feuerwehr-polizeieinsatz/#more-17648

2) http://fdik.org/nsuleaks/Bd4-1Ordner1WohnmobilAllgemeines.pdf
PDF-Dokument-Seite 22ff

3) http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.muenchen-bankraub-ist-nur-fuer-trottel.d9968e5e-86e7-4594-8d84-4a7ba0df837c.html

4) http://de.statista.com/statistik/daten/studie/5820/umfrage/raubueberfaelle-auf-geldinstitute-in-deutschland/

5) 2. Untersuchungsausschuss des Bundestages, 43. Sitzung am 29.11.2012, S. 131
http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/17/CD14600/Protokolle/Protokoll-Nr%2043.pdf

6) http://fdik.org/nsuleaks/Bd4-1Ordner1WohnmobilAllgemeines.pdf
PDF-Dokument-Seite 22ff

7) http://www.nsu-watch.info/2013/11/protokoll-52-verhandlungstag-6-november-2013/

8) http://fdik.org/nsuleaks/Bd4-1Ordner1WohnmobilAllgemeines.pdf
PDF-Dokument-Seite 5

9) http://haskala.de/2015/06/05/protokoll-des-2-thueringer-nsu-untersuchungsausschuss-erste-sitzung-mit-zeugenbefragung-4-6-2015-feuerwehr-polizeieinsatz/

10) http://www.zna.uniklinikum-jena.de/zna_media/SOPs/Rauchgasintox.pdf

11) http://www.nsu-watch.info/2013/11/protokoll-52-verhandlungstag-6-november-2013/

12) http://fdik.org/nsuleaks/Bd4-1Ordner1WohnmobilAllgemeines.pdf
PDF-Dokument-Seite 48

13) http://haskala.de/2015/06/05/protokoll-des-2-thueringer-nsu-untersuchungsausschuss-erste-sitzung-mit-zeugenbefragung-4-6-2015-feuerwehr-polizeieinsatz/#fuenfter

14) https://sicherungsblog.wordpress.com/2015/06/04/was-sagen-die-feuerwehrleute-heute-aus-einer-sass-am-tisch-mit-einem-loch-in-der-stirn/

15) http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/leben/detail/-/specific/Mysterioeser-Tod-in-Meiningen-Experte-glaubt-an-Toetung-1107388817

16) 2. Untersuchungsausschuss des Bundestages, 56. Sitzung am 28.02.2013, S. 49
http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/17/CD14600/Protokolle/Protokoll-Nr%2056a.pdf

17) http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/leben/detail/-/specific/Was-beim-Tod-der-Neonazis-in-Eisenach-wirklich-geschah-463100895

18) http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/suche/detail/-/specific/Saalfelds-neuer-Polizeichef-Dirk-Loether-ist-ein-waschechter-Thueringer-110694136

http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/suche/detail/-/specific/NSU-Trio-als-groesster-Fahndungserfolg-Neuer-Polizeichef-fuer-Saalfeld-Rudolsta-716610433

 

Die Rechtschreibung in den Zitaten wurde teilweise zurückhaltend korrigiert. Zusätzliche Absatzumbrüche wurden der Lesbarkeit halber eingefügt. Zitate ohne Fußnote verwenden Textabschnitte aus dem Bericht von KOK Lotz.