Escape Room Kassel

                

Chef d’Ilot: Sind Sie wahnsinnig geworden, Madame Bouffier?! Immer nur Sie und Ihr Haus stören die Ordnung. Heute aber ist es das letzte Mal. Ich sollte Sie auf der Stelle verhaften.“
„Jacobowsky und der Oberst“, Franz Werfel

Live Escape Games sind ein teurer Spaß, der eine Stunde dauert. Hessens Volksvertreter mühten sich fast vier Jahre am Temme-Rätsel ab. Vergeblich. Zwölf Jahre nach der Tat in Kassel und einem dicken Abschlußbericht steht der nächste Ausschuß mit leeren Händen da: man weiß nichts, schließt nichts aus und kann nichts beweisen. Nach Parteifarben getrennt waren sie marschiert, um vereint die Zeit zu erschlagen. Zum Glück standen Halit Yozgats Mörder fest durch Beschluß.

Kein Dönermord hat die Phantasie des Publikums erregt wie das Verbrechen im Internetcafé. Klein-Adolf der Verfassungsschützer, V-Islamisten und Nazispitzel, das plötzliche Ende der Mordserie und 120 Jahre amtlich verordnetes Schweigen. Was für ein Stoff! Wer es nur richtig anstellt, sollte endlich die losen Fäden zusammenbinden können. Abgeordneter Schwarmverstand scheiterte indes nicht nur am Behördenstaat, sondern auch am Mordfall selbst: am Tatort, den Zeitfenstern, fünf Zeugen und drei Affen: nichts sehen, nichts riechen, nichts hören – jedenfalls keine zwei Schüsse. Vor allem aber an Andreas Temme.

Und noch eine schlechte Nachricht: Rettet der NSU ex machina die Parlamente, müssen seine Leugner auf Trost ganz verzichten. Kein Anfasser für alternative Hypothesen nirgendwo im Bericht: Bouffier und Hessen-VS entlastet, Polizei und Staatsanwaltschaft alles versucht und richtig gemacht.1) So scheint es. Kein Tiefer Staat, keine klandestine Vertraulichkeit in Korrespondenzen und Vermerken; Schlußstrichforderungen nun auch bei „Leakers“.

Wenn es Polizist Binninger nicht schaffte, Verschwörungstheorien durch das Märchen vom Groß-NSU zu deckeln, dann gelang es den Hessen durch Ergebnislosigkeit. Wobei „düstere Parallelwelten“ oder Yimpas-Pleite wie üblich tabu bleiben mußten, glaubt man dem rassismusfreien Abschlußbericht.

Knallgeräusche

Und Temme? Seit zwölf Jahren hält er unter ungeheuerem Druck von allen Seiten an einer Geschichte fest, die ihm niemand abnimmt. An ihn klammert sich das ganze Versagen einer unaufgeklärten Verbrechensserie, und doch würde Temme auch unter Folter wohl nichts anderes erzählen. Fast resigniert muß der Ausschuß zur Kenntnis nehmen:2)

Kein polizeilicher Zeuge hat jedoch, trotz aller Bedenken, ausschließen können, dass Temme die Wahrheit sagt.“

So ist das – trotz des tiefen Mißtrauens, daß Temme, wenn er schon nicht lügt, dann jedenfalls nicht alles sagt, denn alles scheint möglich bis heute; vom „Abtarnen“ der Uwes und türkischen Wölfen, schnöder Panik bis unterlassener Hilfe.3)

Und so feilschten die Volksvertreter um Sekunden und hängen trotzdem fest und es gilt der hessische Konjunktiv Irrealis:4)

Solange nicht feststeht, ob Temme noch in dem Internetcafe war, als Halit Yozgat erschossen wurde, führen Erörterungen darüber, ob er Wahrnehmungen hätte machen müssen, wenn er dort gewesen wäre, nicht weiter. Dies gilt unabhängig davon, welcher der beiden Möglichkeiten als die wahrscheinlichere angesehen wird. Es kann deshalb nicht festgestellt werden, ob Temme etwas von dem Mord mitbekommen hat. Das heißt auch: Kein denkbares Szenario ist ausgeschlossen.

Nur, was folgt aus den vielen schönen „denkbaren Szenarien“? Daß nach der „Pilling-E-Mail“ Temme den Gärtner anrief und die Uwes prompt nach Kassel reisten, um Yozgat zu erschießen?

Trotz Geraune scheuen sich aber selbst eingefleischte VS-Hasser, Temme offen eine Tatbeteiligung anzudichten. Mit Konsequenz: Relevant ist, ob Temme etwas über den Täter sagen kann, ob er als Einziger die 137-db-Schüsse hörte, schallgemindert zwar, und ob er den Täter sah bzw. sehen konnte. Letzteres schloß die Polizei für seine Sitzposition am Rechner aus:5)

Die Frage, ob Temme die Mörder hätte sehen müssen, ist zu verneinen. Nach Aussage der im Ausschuss vernommenen Mitglieder der MK Cafe habe man von PC Nr. 2 des Temmes aus nur in den Vorraum schauen können, wenn man sich zur Seite neigte bzw. „verrenkte“, und auch dann habe man nur „einen Spalt breit“ bzw. „einen ganz schmalen Bereich“ des Vorderraums einsehen können.“

Alles andere, selbst ob er in Richtung Ausgang gehend doch nach links zum Schreibtisch schaute, um zu bezahlen, und den sterbenden Halit ignorierte, ist für die Aufklärung des Mordes sekundär. Läßt man Temme ganz weg, fehlen immer noch zwei Schüsse, von denen niemand Notiz nahm und direkt daneben telefonierte Faiz Hamadi Shabab seelenruhig weiter.

Halbleiter

Seit Jahren schon fragt der AK NSU, was daraus zu schließen sei und muß sich doch von einer charmanten Hypothese verabschieden, die dieses Problem lösen soll: dem vorverlegten Mordanschlag. Denn kurz vor der Tat, so der Abschlußbericht, surft Halit nach Halbleitern an seinem PC.

Bleibt die „leisere“ Waffe, die dann zwar keine Ceska ist, aber dafür zu dezent „platzenden Luftballons“ paßt. Allerdings: Zeitabläufe macht sie nicht plausibler und Temme fällt als Schußzeuge weiter aus. Auch an der Alternative ändert sich nichts: Ein vorher aus dem Internetcafé kommender Temme wäre für den Killer Warnung vor weiteren möglichen Zeugen im Café gewesen und Hemmnis bei Ausführung der Tat.

Für die nächstliegende Schlußfolgerung; wenn niemand Schüsse hörte, dann fielen keine, ist anscheinend niemand mehr frivol genug und das hieße ja auch, die ganze Republik wurde böse zum Narren gehalten wie bei der Selbstenttarnung des NSU in Eisenach.6)

Und Temmes V-Leute? Da wenigstens schafft der Ausschuß Klarheit:7)

Laut einem Gesprächsvermerk der MK Cafe vom 1. September 2006 sprach der Geheimschutzbeauftragte des Landesamts für Verfassungsschutz, der Zeuge Hess, anlässlich dieser Besprechung abermals Kompromissmöglichkeiten im Hinblick auf die Vernehmungen der von Temme geführten V-Personen und in diesem Zusammenhang erneut die Vernehmung der V-Leute unter einer Legende an. Außerdem habe die Polizei auf Nachfrage klargestellt, dass Anhaltpunkte für die Täterschaft einer V-Person, die unabhängig von einer Beteiligung Temmes an der Tat beteiligt sein könnte, nicht bestünden.

Das Theater um Bouffiers Sperrerklärung war also doppelt überflüssig: Die Staatsanwaltschaft konnte nicht begründen, was sie sich von der Befragung erhoffte und wichtiger war als Quellenschutz, und der jahrelang schwelende Verdacht, Temme habe V-Mörder geschützt, ist vom Tisch. Das dürfte nicht nur seine Islamis betreffen, sondern auch Gewährsperson Gärtner. Nur, und hier hat die herbe Ausschußkritik am informellen BKA-VS-Treffen recht, gilt das für Zuträger aller V-Mann-Führer?

Welche Dynamik wäre entstanden, hätten Ermittler die Pilling-Mail gekannt? Daß der Verfassungsschutz fürchten mußte, Pillings Gefälligkeit könnte zum Bummerang werden, ist nachvollziehbar. Aber informierte denn BKA-Hoppe die Kasseler Kollegen und Nürnbergs BAO über seine Aktivitäten, nachdem ausgerechnet in Hessen nicht nur ein weiterer Ceskamord geschieht, sondern Pillings Mitarbeiter unter Tatverdacht gerät?

Perfektes Timing

Nach dem Mord in Kassel will das BKA eine feindliche Übernahme der Ermittlungen. Der Vorstoß mißlingt und – auch das ist so eine Koinzidenz – die Ceskaserie endet, während Dönermorde mit ähnlichem Modus operandi bis heute weitergehen. Erste Diskussionen gibt es laut Hoppe schon am 6. April 2006;8) da ist die Bestimmung der Tatwaffe im Mordfall Yozgat noch Hellseherei. Oder wurde intern schon früher „diskutiert“, mindestens vor Kontaktaufnahme zum hessischen Verfassungsschutz?9)

Unmittelbar nach dem Mord an Halit Yozgat, bei Besprechungen am 10. April 2006 in Kassel und am 11. April 2006 in Nürnberg, sprach das Bundeskriminalamt die Möglichkeit einer Gesamtübernahme der Ermittlungen nach § 4 Abs. 2 N r. 2 BKAG an. Dem Leiter der EG Ceska zufolge hatte es sogar bereits erste Diskussionen bei einer Besprechung in Dortmund am 6. April 2006 gegeben.

Der Mord kommt also wie gerufen, um BKA-Ambitionen Nachdruck zu verleihen. Praktischerweise legen damals auch BKA-Kriminaltechniker fest, was Ceskamorde sind. Scheiterten hessische Ermittler wie andere an der vorgegebenen fixen Idee einer Serie? Das verbindende Motiv für alle Morde fanden zumindest auch sie nicht. Vielleicht, weil es das so wenig gab wie übereinstimmende Tatortspuren.

Für Andreas Temme und seinen Alibinachweis ist das Glück im Pech, er erhält Pardon und ein Gnadenbrot im Apparat. Ceska-Ermittler Hoppe wechselt später ins Referat SO12. Das sichtet Anfang 2012 jene brisante KiPo-Kundendatei, auf der sich der Name Sebastian Edathys befindet. Der selbstbewußte Sozialdemokrat ist da frischgebackener Vorsitzender eines NSU-Untersuchungsausschußes.10)

Dazu muß man wissen: Früher war so ein NSU-Ausschuß eine aufregende Sache und noch kein bloßer Zeitvertreib und frei zugängliche Wortprotokolle gab’s nachher auch.

 

Fußnoten

1) Ob Bouffier das Parlament angelogen hat oder Temmes Vorgesetzte Dienstvergehen zu lässig handhabten, ist hier nicht von Interesse.

2) Abschlußbericht, PDF-Seite 412
https://hessischer-landtag.de/content/abschlussbericht-des-untersuchungsausschusses-192-nsu-beschlossen

3) Vgl. Kriminaldirektor Hoffmann:
„Der war für uns, ich sage jetzt mal ganz platt, wie ein Stück Seife. Immer wenn ich den greifen wollte, war er weg. Also er hat auch nie konkret die Fragen beantwortet, die wir gestellt haben, oder ist den Fragen ausgewichen.“
PDF-Seite 1065

vgl. auch Abschlußbericht, PDF-Seite 412

4) PDF-Seite 745

5) PDF-Seite 407

6) https://sicherungsblog.wordpress.com/2015/05/14/yozgat-starb-weil-gegenauf-den-kopf-geschlagen-wurde-ergebnis-des-notarztes/

https://sicherungsblog.files.wordpress.com/2015/06/karschunke.jpg

7) PDF-Seite 522

8) Mehmet Kubaşık wurde am 4. April 2006 in Dortmund erschossen.

9) PDF-Seite 558

10) https://www.mopo.de/news/edathy-skandal-geht-weiter–christian-hoppe-bringt-bka-chef-ziercke-in-not-4160006

Bildnachweis
Tatortbegehung mit Andreas Temme,
Foto: Polizei Hessen

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23 Gedanken zu “Escape Room Kassel

  1. „Denn kurz vor der Tat, so der Abschlußbericht, surft Halit nach Halbleitern an seinem PC.“

    Das mag im Rechtsprechungssystem so bestellt worden sein, wenn man es zur prozessualen Gewissheit derart benötigte. Die Beulenbildung am Schädel des Yozgat Junior bedarfte dennoch eines intakten Kreislauf. Und den gibt es eben am sofort toten Döner-Opfer nicht.

    Ganz im Gegensatz zu den fehlenden Aufnahmen der Uwe-Köpfe im Originalzustand zur Zeit der Auffindesituation im Wohnmobil gibt es zum Glück Fotos der beachtlichen Beulen am Kopf des Mordopfers im Internetcafe zu Kassel.

    Abschließend sollte ein leichtfertiges Urteil also nicht in die parlographischen Analen eingehen.

    Meine ich.

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    • Das Gutachten Saternus und Karschunkes Bericht (Fragment) sind bekannt, ebenso der Artikel Göttinger Tageblatt (Widerruf sofort tot) sowie NSU-Watch Dr. Brück: (Schüsse „nicht lange“ überlebt), die Fotos liegen mir nicht vor.

      Ich kann mangels medizinischer Fachkenntnisse nur chronologisch argumentieren und darum ging es ja hauptsächlich beim „Temmerätsel“. Die 30 Minuten des Gutachters decken sich eventuell mit den 30 Minuten, die der Sanitäter Reichenberg bis zur Einstellung der Rettungsmaßnahmen angibt (ca. 10-15 Minuten sind bei Eintreffen verstrichen, vll. „rechnete“ Saternus also vom festgestellten Tod rückwärts, damit es ungefähr paßt).

      Innerhalb der Chronologie ist das Halbleiter-Surfen ein Zeitstempel. Dazu kommt Halits Telefonat, die Zeugin, die ihn gegen 17 Uhr von draußen gesehen haben will und die chronologische Konsequenz: Es müßten dann weitere Zeugen am komatösen (Saternus) Halit vorbeigelaufen sein, ohne ihn zu bemerken bzw. ohne Kontakt selbständig telefoniert/gesurft/gechattet haben und alle Zeugenaussagen Halit betreffend sind dann falsch.

      Das Temme-Rätsel bzw. „Der Mord im Internetcafe“ ist anhand der vorliegenden Informationen/Variablen imo chronologisch nicht lösbar, egal wie man es dreht und wendet. Es könnte also durchaus „ganz anders“ gewesen sein.

      Bei der These „falscher Temme“ sollte man berücksichtigen, daß der echte Temme keinerlei Angst zeigte; einen Rat der Polizei zum Wohnortwechsel schlägt er aus.

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  2. Komplizierter Fall, nur eins ist klar, Temme ist ein Ablenkungsmanöver.
    Wovon, das ist allerdings die Frage. Eine intelligente These dazu, gerne auch Verschwörungstheorie genannt, wäre interessant.
    Fakt ist, so wie von ihm vorgegeben war er nicht am Tatort.

    Die Frage lautet sogar, war er um die Zeit überhaupt da?
    Die Zeugen im I-Café haben ihn zunächst alle nicht gesehen. Das bei fast 1,90 cm!
    Eine Woche später hat ihn dann der Kiffer aus dem Gedächtnis geholt.
    Der hatte aber schon Erinnerungsprobleme, mit wem er vorne gesprochen haben will. Mal der Vater mal der Sohn und das inklusive zwei verschiedener Erinnerungsgespräche.
    Also eines schon mal kreativ aus dem Kiffernebel.
    Der kleine Türke dagegen gab Temme nicht zu Protokoll. Er ist aber der theoretische Computerplatz-Nachbar gewesen.
    Temme hat auch nicht gesurft, kein Spuren an Tastatur und Maus. Den Browserverlauf müssen Ermittler darüber hinaus sofort prüfen, um Anwesenheiten festzustellen. Glaube nicht, das die das vergessen haben. Also Verdacht auf Ergebnis Null und nach erfunden. Eine Auflösung, ob und von wo gesurft wurde, wäre die IP, die beim Sexportalbetreiber aufschlug.
    Sein demonstrativer Fünfziger auf dem Tisch scheint spurenfrei. Eine Rekonstruktion der Kleingeldsumme auf dem Tisch, und der letzten Bargeldkunden, kann da vielleicht auch helfen.
    Das er nicht mit behaupteten Mercedes kam und abfuhr, ist ebenfalls belegt. Sicherheitshalber hat man wohl das Bewegungsprofil der Handydaten gar nicht erst erhoben.

    Die verdächtigte Ceska war es in der Konfiguration auch nicht. Die hat mit Schalldämpfer gutachterliche 135 dB. Da fällt dem Telefonzeugen der Hörer aus der Hand und die hinten gehen in Deckung.

    Die vorgezogene Tatzeit ist eine These aus dem denklogischen Abseits. Eine Möglichkeit ohne Indizien, die die festgestellten, noch zuckenden Neuronen, in dieses Zeitfenster zwingen würden.
    Im Gegenteil.

    Und so weiter und so weiter … wenig bis nichts passt.

    Das entscheidende Fazit ist aber, das keiner der Zeugen die Uwes am Tatort gesehen hat.
    Damit waren sie, bis zum Beweis des Gegenteils, auch nicht da.
    Sind sie bewiesen da gewesen, haben sie nicht automatisch geschossen.
    Das wäre als nächstes zu beweisen.

    Witzig ist, die einzige Schnittstelle der Uwes zum Tatortumfeld ist nie weiter durchleuchtet worden.
    Im abgebrannten Terrornest Zwickau fand man viele Unterlagen. Darunter einen Stadtplan von Kassel. Der hatte eine Markierung in der Unteren Königsstraße. Bei der Markierung besaß ein gewisser Alexander Thomsen eine Wohnung.
    Woher wissen BMZ aus Sachsen, wo Temme eine konspirative Wohnung in Kassel hat, die unter seiner Tarnidentität Alexander Thomsen lief?

    Du weißt das zwar alles, aber ich wollte es noch mal verdichtet erwähnen … 😉

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    • Ablenkung klingt gut; einzuwenden wäre gegen die „No-Temme“-These:
      Warum sollte Temme freiwillig helfen, einen Mord zu verdecken? Aus Nettigkeit? Offen erpresst wegen ein paar Dienstvergehen? Und wer manipulierte die Login-Protokolle, um Temme zu belasten? Die Ermittler, die abgelenkt werden sollten, selbst? Wo ist da die Verhältnismäßigkeit?

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      • Damit deine Fragen nicht leer im Raum stehen, ein Gedankeneinwurf.

        Was Temme motiviert, ist für mich kein Aspekt.
        Er ist Beamter, er funktioniert auf Anweisung oder wird zum Funktionieren gebracht.

        An den Rest kommt man nur mit Disziplin im Denken ran. Aber auch nur vielleicht.
        Hypothesen für alle denkbaren Möglichkeiten erstellen, bekannte Indizien zuordnen, These mit der größten Wahrscheinlichkeit ableiten.
        Das ist kompliziert.

        Auch wenn es wieder Beschimpfungen gibt, weil was erlauben Roger nehmen Buchstaben für Gedankensortierung (Gruß an den Gemeinten anderen Blogger), mal ein Angebot zu den Hypothesen der Temmenummer, er war nicht da, wird aber als anwesend hin konstruiert.
        Kann man ja erweitern, ich sehe nur drei Möglichkeiten.

        a. Ablenkung
        Temmes „Anwesenheit“ soll am Tatort vom Eigentlichen Ablenken, Ermittler falsch binden, um Zeit zu gewinnen für Spurenbeseitigung und um gegebenenfalls Beteiligte V-Leute in Sicherheit zu bringen.
        b. Notwehr
        Temmes „Anwesenheit“ wurde von einem Konkurrenzdienst als „Ansage“ an den VS lanciert. Der VS konnte nur noch reagieren.
        c. Alibi
        Temme bekommt das Tatortalibi, um seine Anwesenheit woanders, höhere Tarn-Priorität, vom
        Radar zu nehmen. Wie gesagt, Hypothesen haben das Denkbare zu erfassen, nicht das Glaubhafteste.

        Ist natürlich nur die Betrachtung für die Annahme, Temme war zum behaupteten Zeitpunkt gar nicht da. Klar ist auch, das bei den meisten Indizienzuordnern Hypothese a. die Vorzugsthese werden würde. Bei einigen verdichtet auf den Schutzgrund Faiz H., der für sie Tatbeteiligter und eben auch V-Mann ist.

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      • Natürlich hat die No-Temme-These Charme, aber eben leider die Tendenz zur stark verschachtelten Verschwörung, bei der die steuernden Kräfte immer allmächtiger gedacht werden müssen. Um die These durchführen zu können, muß man außerdem ignorieren:

        zu a) daß unabhängig von Temme in alle Richtungen ergebnislos ermittelt wurde, Ressourcenmangel nicht bestand aufgrund Ceskazuordnung und die „Ablenkung“ ja geradewegs zum VS führte (Temmes V-Leute wurden überprüft, siehe keine Anhaltspunkte) und damit eine Kompromittierung des Innenministeriums virulent wurde. Andere V-Leute hätte man auch so außer Landes bringen können. Und: welche Spuren (die 3 Affen)?

        zu b) den eklatanten Widerspruch, daß Temme bzw. sein „angegriffenes“ Amt die Belastungsindizien (von einer dritten Partei über die Ermittler „lanciert“) nicht nur wehrlos akzeptierten, sondern aktiv unterstützten – und zwar ausschließlich zu eigenen Lasten. Man hätte über das IM gegen falsche Verdächtigungen vorgehen können, stattdessen Temme ohne Anwalt.

        zu c) daß die schwache Alibihypothese nichts heilt; ich wüßte von keinem Ereignis um den 6. April 2006 herum, daß ein Ersatzalibi als Tatverdächtiger für Temme notwendig machte.

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      • Warum sollte Temme freiwillig helfen, einen Mord zu verdecken?
        Das ist eine zentrale Frage, welche zweifellos auf sämtliche Tatorte ausgedehnt werden muss. Warum sollten Seeland und Mayer freiwillig helfen, einen Mord zu verdecken, warum sollte das jemand im Fall Kiesewetter tun usw.. Die Antwort müsste prima facie einleuchten, darf also nicht endlos verschachtelt begründet werden. Angst, Vorteilsnahme, Loyalität sind hier sicher keine Kriterien. Ich tendiere persönlich dazu, dass die Zeugen vom (vermeintlichen) Geschehensablauf persönlich überzeugt sind oder dies zumindest gewesen sein müssen. Zu fragen wäre demnach, wie dies bewerkstelligt wurde.

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      • Sehr guter Ansatz. Allerdings würde ich die Sachverhalte Stregda und Heilbronn jeweils abtrennen. In Stregda scheint mir das Motiv noch am klarsten zu sein: Seeland und Mayer waren Teil einer Verschwörung, die „bankraubende Nazis“ zur Strecke brachte. Wobei diese Legendierung nur Teil einer übergeordneten war.

        Inwieweit hier wirklich ein Doppelmord (an B und M) gedeckt wurde, ist imo offen – trotz allem (ein Suizid scheidet aus). Das gemeinsame Motiv auf unterster Ebene war dann ein unausgesprochenes Desinteresse, die Todesumstände von B&M aufzuklären, weil sie den Tod „verdient“ hatten. Dieses Motiv half ihnen dabei, sich mit dem vorgegebenen Geschehensablauf zu identifizieren und über die realen Verdeckungshandlungen (auch eigene) hinwegzusehen.

        In Heilbronn halte ich eine Totalinszenierung für möglich, das würde eine freiwillige Mitwirkung an der Verschwörung durch Kollegen erklären, wenn das Ziel eine Stärkung der Polizei war.

        Kassel ist die härteste Nuß von allen, da ergibt nichts wirklich Sinn, eine überzeugende These steht imo noch aus.

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  3. @ parlograph
    Deiner inhaltlichen Buchstabenbewertung stimme ich im Tenor zu.
    Deshalb habe ich sie auch nicht gemacht, sondern nur aufgezählt.

    Damit aber nichts verwässert wird.
    Mir geht es um die gedankliche Strukturierung.
    Es gibt nur zwei Varianten!
    Temme war zur Tatzeit im I-Cafe oder er war es nicht.
    Das ist die erste Festlegung.
    Für die Variante, er war nicht da, gibt es dann die drei erwähnten Hypothesen. (unterstellt ich habe keine Möglichkeit vergessen)
    Da geht es nur um das abdecken des Denkbaren, nicht ob irgendwas wahrscheinlich ist.

    Und jetzt Achtung!
    Für die Variante Temme war nicht am Tatort, ist es dann aber auch eine der Hypothesen.
    Der Fakt ist völlig unberührt davon, was uns zur Zeit einleuchtet und was nicht.
    Eine ist richtig.

    Grundsätzlich sind die Tatorte aber fürs Kippen des NSU Märchens sekundär.
    Man kann einen entlarvten Tatort als Irrtum über Bord werfen und immer noch NSU schreien.

    Das ist bei Stregda anders.
    Das ist die Märchenbasis, was hier wackelt, reißt beim Fallen alles ein.
    Zum Beispiel das Dokument der Gerichtsmedizin, was den Todeszeitpunkt deutlich vor 12 Uhr legt.
    Da hat sich Frau KP im Grünen Salon verplappert.
    Wenn aber die Thüringer auf dem Papier sitzen, dann sitzt auch die AfD drauf.

    Wieso ist das Papierchen noch nicht geleakt … :-)) ?

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    • Gut, dann mal „blutleer-abstrakt“ auf der Metaebene weiter: Das Kriterium der „Glaubhaftigkeit“ würde ich schon mal nicht einfach wegwischen, denn das ist erforderlich, um Lebenswirklichkeit von Mindfuck zu trennen. Da Glaubhaftigkeit/Wahrscheinlichkeit andererseits immer ein subjektives Ding ist, steht es im Spannungsverhältnis zum formal Möglichen. Soweit klar.

      Das „Opfer“, das ein freiwillig mitwirkender Temme als Einziger und ausschließlich persönlich brachte, über 12 Jahre im Verdachtsmodus zu leben ohne eine erkennbare Kompensation/Rehabilitierung durch den nutznießenden Staat, steht imo in einem krassen Mißverhältnis.

      Dazu kommen eben noch schwer in Einklang zu bringende logische Brüche. Die den Verdacht gegen Temme stützende Computerauswertung kam von den Ermittlern. Polizei und StA hatten das aktive Moment auf ihrer Seite. Sie also „lenkten ab“, es sei denn, dem VS gelang es, den Inet-Rechner „von draußen“ zu manipulieren.

      Das heißt: auf der einen Seite gewaltige Ermittlungsressourcen der MK Cafe, andererseits unterstellte Manipulation der Ermittlungen. Auch das ein schwer aufzulösendes Mißverhältnis. (Anders bei der späteren BKA-BAO „Trio“: Hier standen Täter und Ermittlungsrichtung fest und Ermittlungen wurden nur noch „interpoliert“.)

      In summa: Wenn im Kanzleramt politisch entschieden wurde, daß ein Verdacht bspw. gegen türkische Dienste zu verhindern ist, wäre das einfachste gewesen, eine Ceskazuordnung zu unterdrücken anstelle komplizierter Ablenkungsmanöver.

      Zur AfD: Da kann ich nur vermuten, daß sie – genau wie die Linke – solche Informationen als politische Munition zurückhält, um Gegendruck bei staatlicher Repression aufbauen zu können. Ich meine immer noch, daß zurückgehaltene NSU-Erkenntnisse der Linken halfen, Ramelow zu installieren.

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      • Du stellst die falsche Reihenfolge auf?
        Die Hypothesen brauchen keine inhaltliche Betrachtung. Einzig ihre Vollständigkeit wäre zu diskutieren. Der Grund, die Hypos werden bereits eine Betrachtungsebene höher entschieden. Und das definitiv.

        Die höhere Ebene ist die Frage, war Temme am Tatort oder nicht.
        Das ist zwingender Ausgangspunkt jeder weiteren Betrachtung. Grundsatzentscheidung.

        Bei Antwort JA sind die Hypothesen gegenstandslos.
        Bei Antwort NEIN treten sie zwangsläufig als Lösung in Kraft.
        Letzteres entzieht sich jeder Bewertung, weil es dann so ist. Offen ist nur noch, welche trifft zu. Eine der genannten oder eine übersehene.

        Zur Ja-Nein-Entscheidung.
        Die Anwesenheit von Temme hat eine Faktenlage.

        Gerne noch mal, aber beachten, ich mache das aus dem Hut. Fehler aus Infodefiziten und Vergesslichkeit sind möglich. Ich mache nicht jeden Tag zum Frühstück NSU … ;-))
        – kein Zeuge hat Temme erwähnt, das ist bei seiner Erscheinung lebensfremd
        – nur ein Zeuge reicht eine Erinnerung nach, der hat aber schon Probleme ob Vater oder Sohn
        ihn am Tattag empfangen haben. Unglaubwürdig.
        – Der kleine Türke wäre Pflichtzeuge, weil direkter Sitz-Nachbar im I-Cafe. Macht er aber nicht,
        offensichtlich nicht mal vor dem OLG und offensichtlich geht man der Frage an ihn aus dem
        Weg. Bezeichnend.
        – der einzige Zeuge, unser Kiffer, identifiziert Temme aus einer Reihe von Fotos. Alle Fotos
        zeigen aber Temme. Unseriöse Ermittlung.
        – Die Ermittler haben nichts am Computer ermittelt. Erst nach Aussage Zeuge wollen sie
        Computer untersucht und was gefunden haben. In der Reihenfolge unglaubwürdig. Erinnert an
        Methode SMS Liste Kiesewetter.
        – Keine Spuren von Temme an Tastatur und Maus des Surf-Computers
        – Keine Spur von Temme am hinterlegten Fünfziger
        – Zeuge vor I-Cafe bestreitet, das da ein Mercedes gestanden hat. Er sagt aus, da stand gar kein
        Auto.
        – Forensic Architecture hat zwar eine für mich falsche Schlussfolgerung gezogen, aber ihre
        Tatortrekonstruktion ist wissenschaftlich untermauert. Temmes Geschichte ist falsch. Video
        dazu gibt’s irgendwo im Netz.

        Bedeutet, für Temmes Anwesenheit gibt es die Nacherinnerung eine Kiffers und seine eigene Behauptung als Geheimdienstler. Das ist Stand der Technik.

        Das kann man nicht als These bevorzugen, gegenüber der hohen Zahl an Fakten, die dagegen sprechen. Selbst wenn sich oben irgendwas relativiert, die belastbaren Pro-Fakten würden deswegen nicht mehr werden.

        Nach Wahrscheinlichkeit bewertet, war Temme daher zur Tatzeit so nicht da.

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      • „Bedeutet, für Temmes Anwesenheit gibt es die Nacherinnerung eine Kiffers und seine eigene Behauptung als Geheimdienstler. Das ist Stand der Technik.“

        Und objektiv: Logindaten/Internetverlauf. Das ist der Knackpunkt, der die Ermittler einbezieht und die „No-Temme“-These zwingend in eine inkonsistente Verschwörungsthese führt, wenn man das auflösen will. Das gehört in die Abwägung von Wahrscheinlichkeiten. Selbst daß „Problemzeuge“ Emre den Temme nicht sah, kann motiviertes Aussageverhalten sein. Wobei dort alles Problemzeugen waren.

        Die kompletten Zeugenvernehmungen wurden leider nicht geleakt (meines Wissens). Ermittlerseitig angeführte Gründe gegen die Architektur-Forensiker sind jenseits antilinker AK-Polemik imo berechtigt.

        Fragwürdig erscheinen mir spätere opportunistisch-unkritische Äußerungen des MK-Leiters Wetzel zum sog. NSU. Da überlege ich, ob der nur doof ist oder loyal oder ist das Indiz einer Vertuschung von Ermittlerseite zusammen mit vermuteten (!) Versäumnissen (Fingerabdrücke Temme-PC usw.).

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  4. Kein polizeilicher Zeuge hat jedoch, trotz aller Bedenken, ausschließen können, dass Temme die Wahrheit sagt.“

    So ist das – trotz des tiefen Mißtrauens, daß Temme, wenn er schon nicht lügt, dann jedenfalls nicht alles sagt, denn alles scheint möglich bis heute; vom „Abtarnen“ der Uwes und türkischen Wölfen, schnöder Panik bis unterlassener Hilfe.3)……

    Meiner Meinung nach liegt da zumindest eine Wurzel des Übels. Menschen sind keine Götter. Ausschließen können sie demzufolge garnichts. Deswegen kaufen viele auch ihre Lose beim Lotto, weil sie nicht ausschließen können, dass sie gewinnen. EStA Meyer brachte das in Stuttgart auf den Punkt. Er könne auch nicht ausschließen, dass Marsmännchen auf der Theresienwiese gelandet sind, um Kiesewetter zu ermorden. Es wäre aber unwahrscheinlich.

    Die Untersuchungsausschüsse mauern also. Die hätten mal nach der persönlichen Überzeugung der Polizisten bezüglich der Täterschaft Temmes fragen sollen. Das die Polizei nicht ausschließen könne das Temme vielleicht doch nicht lügt, ist eine Nebelkerze, denn das wird die Polizei auch dann nicht ausschließen können, wenn sie persönlich von der Schuld Temmes überzeugt gewesen wäre. Dadurch wird auch offenbar, dass man sich die Untersuchungsausschüsse hätte sparen können, was die Aufklärung des Sachverhalts betrifft. Zum Vernebeln waren sie aber nützlich.

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  5. „– Forensic Architecture hat zwar eine für mich falsche Schlussfolgerung gezogen, aber ihre
    Tatortrekonstruktion ist wissenschaftlich untermauert.“

    Das finde ich witzig. Dann hätte die Antifa Täterwissen nach England mitgebracht, oder wo ist zweifelsfrei überliefert, in welcher Lage zum Ladentisch der Yozgat Junior aufgefunden wurde?

    Außer Acht geraten ist auch weitgehend die Aussage des Feuerwehrlers, der bei seiner Ankunft im Internetcafe beobachtete, daß der Vollintegrierte (über 30 Polaseinträge) AUF! dem Opfer kniete und dort zu reanimieren versuchte.

    Nicht mal in der guten alten Baywatch-Zeit hätte man Pam AUF! dem Beatmungsbedürftigen knien lassen, um dem unbedingten Rettungswillen mehr Dramaturgie zu verleihen. 😉

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  6. „Und objektiv: Logindaten/Internetverlauf. Das ist der Knackpunkt, der die Ermittler einbezieht und die „No-Temme“-These zwingend in eine inkonsistente Verschwörungsthese führt … „

    Gut einen machen wir noch … 😉

    Das Gegenteil ist der Fall.
    Genau das ist denklogisch die größte Wahrscheinlichkeit für die Hypothese, Temme musste einspringen.
    Doch zunächst zur Logik.

    Die Logindaten sind nicht objektiv.
    Sie müssen nicht mal existieren, um sie geheimdienstlich nachzureichen. Sie sind so „wasserdicht“ wie der „zusammengestellte“ SMS Verkehr von Kiesewetter am Tattag. Dort aber ersichtlich, weil der Widerspruch zum Provider bekannt ist.
    Zur Prüfung Logindaten Internet wissen wir gar nichts. Objektiv verbietet sich.
    Entscheidend ist aber was anderes.

    Welchen Beweis liefern die Logindaten/Internetverlauf zur Person Temme?
    Keinen!
    Es ist physikalisch ausgeschlossen, das die Logindaten klären können, wer an der Tastatur saß.
    Noch mal ganz deutlich, es ist ausgeschlossen!
    Damit gibt es auch keinen Knackpunkt, weil der behauptete Zusammenhang Internet/Temme gar nicht existiert. Die Behauptung ist eine Täuschung.
    Die Logindaten, so sie echt sind, würden nur beweise, da saß jemand.
    Auf keinen Fall aber, wer!!!!

    Und da sind wir beim Punkt.
    Die Hypothese Temme als Dummy, weil Spuren verwischen, hat denklogisch hier ihren stärksten Ansatz.
    Die Person die tatsächlich am Computer saß ist um jeden Preis vor Ermittlungen zu schützen. Zu wertvoll. Als der Kiffer diese Ermittlungsrichtung ins Rollen brachte, schmissen die VSler Temme ins Rennen. Methode „Stellvertreter“. Die weiteren Ungereimtheiten der Ermittlungen bekommen mit der „Idee“ zumindest alle eine Antwort, die passt.

    Wie gesagt, ich wollte die Hypothesen nicht im Einzelnen diskutieren.
    Das lenkt von der richtigen, entscheidenden Frage ab, saß Temme am Computer oder nicht.
    Vielleicht wird mit der Idee aber noch deutlicher, das echte Beweise für einen Temme am Computer komplett fehlen und die gefundenen Indizien das Gegenteil vermitteln.

    Die Beweise, Temme saß am PC,s fehlen übrigens auch bei dir.
    Du bezweifelst nur die Zweifel.

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    • Der Verlauf zeigte ilove-Chats und über den Anbieter wurde Temmes Telefonnummer ermittelt. Die Logindaten bestimmten die Zeitstempel der Anwesenheit. Da wurde nichts „geheimdienstlich nachgereicht“, sondern von der Polizei ausgelesen. So die offizielle Darstellung. Gut, nehmen wir an: alles erfunden/manipuliert, kann ja sein. Aber das müßte dann die Polizei gemacht haben. Sie ging auf Temme zu (der dann brav mitspielte, siehe „Dienstliche Erklärung“ an seine Vorgesetzten), nicht umgekehrt. Die Ermittler legten Achmed Temme-Bilder vor.

      Was ist daran so schwer zu verstehen? Warum ignorierst du das?

      Für mich ist die entscheidende Frage nicht Temme, sondern ob das Ereignis zur sog. Ceskaserie gehört. Seine komplette Abwesenheit hat freilich logische Konsequenzen (schon x-mal dargestellt). Zur fingerabdruckfreien Tastatur fehlt mir der entsprechende Aktenwortlaut bzw. die Begründungen der Ermittler dazu, die verbreiteten Unschärfen akzeptiere ich nicht.

      Gefällt 1 Person

      • „Was ist daran so schwer zu verstehen? Warum ignorierst du das?“

        Himmel geschätzter parlograph, ich habe den Punkt klar beantwortet und die Antwort sogar wiederholt!?
        Aber okay, es ist wichtig, also gerne noch einmal.

        Aus der Identität des Accountbesitzers beim Portal iLove, lässt sich keine Identität der Person, die am … um … Uhr möglicherweise am PC des I-Cafes saß, ableiten.
        Das ist naturwissenschaftlich ausgeschlossen.

        […]

        [Rest/Desinfo gelöscht.]

        Also schrittweise:

        Zitat Abschlußbericht, PDF-S. 416:

        Eine Auswertung des im Internet Cafe am PC Platz 2 sichergestellten PCs ergab, dass dort in tatrelevanter Zeit, 06.04.06, im Zeitraum von 16.50.56 Uhr bis 17.01.40 Uhr im Internet gesurft wurde. Die weitere Auswertung des PCs ergab, dass in der Zeit von 16.50.56 Uhr bis 17.01.40 Uhr auf der Internetseite
        ,iLove.de‘ gesurft wurde. Dabei wurde der Nickname „ „Wildman70“ benutzt. Über die Internetfirma iLove GmbH in Berlin konnten die Anmeldedaten von Wildman 70 ermittelt werden:
        Jörg Schneeberg, Kassel, Tel: 0170/77[…].
        Eine Recherche zu der Person Jörg Schneeberg verlief negativ. Als Anschlussinhaber der angegebenen Mobilfunknummer wurde Andreas Temme, geb. 24.10.1966 in Hofgeismar, wh. […], 34269 Hofgeismar,

        Fragen:

        1. Hat sich laut Mordkommission jemand im I-net-Café mit dem PW „wildman70“ bei ilove eingeloggt?
        2. Konnten die Mordermittler über diese Einlogdaten beim Betreiber der Kontaktbörse den dazugehörigen Account ermitteln?
        3. Gehörte die hinterlegte Telefonnummer zu Temme?

        Dann machen wir weiter.

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  7. Die Angabe zu den Halbleitern ist problemidentisch mit den Bioschweinen aus Zwickau.

    Zschäpe surfte nach Bio. Wird gesagt. Beweise? Keine und/oder nicht nötig. Aus Nichtwissen wird gesicherte Erkenntnis extrapoliert. Niemand weiß, welche Personen, und wieviele, am 4.11. zu welchen Zeiten in der FS26 zugange waren und den Internet-Kiosk-PC nutzten.

    Schaut man sich die Surfhistorie sehr genau an und weiß, was ein PC im Kiosk-Modus ist, dann waren es wenigstens zwei, wenn nicht sogar drei völlig verschiedene Personen. Wer, das weiß keiner, bzw. die, die es wissen, verraten es natürlich nicht. Wegen der Staatsräson.

    Dito Yozgat. Verläßlich ist die Auskunft, er sei auf den Topf gegangen und auch wieder runtergehüft.

    Danach nur noch Nebel. Niemand hat ihn gesehen, etwas gehört blablabla. Es ist also völlig unklar, wer da zu welcher Zeit im Volkshochschulmodus am PC zugange gewesen ist, denn es gibt keine Zeugen für diese Tätigkeit.

    Wer da nach Halb-, Viertel- oder ganzen Leitern surfte, ist unbekannt. Aus dem PC-Protokoll zu schließen, der Yozgat war’s, ist zwar menschlich verständlich, kriminalistisch aber ein Trugschluß bzw. Fehler.

    Wenn eine paßwortgeschützte PC-Sperre nicht zuschlug, kann jeder den PC genutzt haben.

    Und es ist ein totes Pferd.

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    • Hm. Nicht ganz identisch. In der FS26 waren die PC-Nutzer unbeobachtet, der Rechner ging m.W. zuerst zur verdächtigen Zwickauer Georgie-Polizei. Im I-Net-Café müßte sich jemand an Halits Platz gesetzt haben, der gerade in der Ecke verendete (oder per Remotezugriff? Macht die Sache noch abenteuerlicher.)
      Edit: Was machen wir mit Halits Anrufen bis 16.51 Uhr?

      -> „falscher Temme“; den sah dann Emre aber auch nicht?

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  8. @ parlograph

    „[Rest/Desinfo gelöscht.]“

    sicher doch …

    Dann lies mal bei Heimatschutz, da ist die Identifizierung Temmes durch Abu T. ausführlich beschrieben.
    Kannst auch den AK NSU nehmen, der das gleiche behauptet.

    „Und das seit 2006. Den Temme hat man da irgendwie reinkonstruiert, mit Hilfe auch des 16-jährigen Abu Tamam, dem man nur Temme-Fotos vorlegte, kein einziges Vergleichsfoto. Wer wies die Soko Cafe an, dabei mitzumachen und die Aussagen zu lenken? Wer konnte das überhaupt?“

    Bei mir ist das dann Desinfo … 😉
    Weiter so und Tschüß

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    • Locker bleiben, roger. Wer A sagt (No-Temme), muß halt auch B sagen und das ohne Nebelkerzen. Kann ja sein, daß man erst Temme ermittelte und sich danach die passende Zeugenaussage besorgte.

      Im Heimatschutz finde ich nichts, was uns weiterbringt.

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  9. Über den Mörder weiß man nichts. Das ist auch bei den anderen Tatorten nicht anders. Ergo kann man sich dazu nichts aus dem Finger saugen. Offensichtlich ist, dass vertuscht werden soll. Da gibt es eine ganze Menge Hinweise, u.a. die Sperrung der Akten auf 120 Jahre. [gekürzt]

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